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Böser Verdacht: Familie eingeschleust?

Böser Verdacht: Familie eingeschleust?

Unangenehme Situation für das rheinland-pfälzische Familienministerium: Die Wormser Ausländerbehörde hat Strafanzeige gegen einen Mitarbeiter des Hauses erstattet. Aleksandar Ceh wird vorgeworfen, eine serbische Familie illegal ins Land geschleust zu haben. Der Mann bestreitet das.

Worms/Mainz. Wenn er eine Familie aus Serbien illegal ins Land geschleust hat, wie es einem Mitarbeiter des Mainzer Familienministeriums vorgeworfen wird, dann wäre das ein schwerwiegender Gesetzesverstoß. Der Beschuldigte Aleksandar Ceh weist die Vorwürfe scharf zurück. "Das ist eine böse Unterstellung, an der nichts dran ist", sagte er der Rhein-Zeitung. "Wenn der Fall aufgeklärt ist, verlange ich eine Entschuldigung vom Wormser Oberbürgermeister, dem Bürgermeister und den Verantwortlichen der Ausländerbehörde", sagt er verärgert. OB Michael Kissel ist übrigens Mitglied im SPD-Landesvorstand. Ceh, Vater von vier Kindern und Jahrgang 1972, macht im Familienministerium derzeit eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. In der rheinland-pfälzischen Ausländer- und Flüchtlingsarbeit, für Familienministerin Irene Alt (Grüne) ein Herzensanliegen, gilt er als feste Größe. Ceh, der einen kroatischen und einen deutschen Pass sein eigen nennt, amtiert als Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Beiräte für Migration und Integration. Zudem ist er Vizevorsitzender des Beirates für Migration und Integration der Stadt Alzey. Und er gehört dem Kriminalpräventiven Rat der rheinhessischen Stadt an, dessen größtes Anliegen die Sicherheit seiner Bürger ist.
Das Mainzer Familienministerium will sich nicht zu dem Fall äußern. Der Wormser Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek, in dessen Zuständigkeit die Abteilung für Ausländerwesen fällt, sieht keine Alternative zu der Strafanzeige, die bereits im April erfolgte. "Beim Verdacht einer Straftat muss die Ausländerbehörde tätig werden", erklärt der CDU-Kommunalpolitiker. Die Stadt Worms wolle eine Prüfung durch die Mainzer Staatsanwaltschaft auslösen. Mehr will der Bürgermeister nicht sagen. Aus der Stadtverwaltung Worms erfährt man noch, dass der Fall Ceh angeblich lange diskutiert und sorgfältig geprüft wurde.
Nur gedolmetscht?


Aleksandar Ceh ist empört über den bösen Verdacht gegen ihn und erzählt bereitwillig seine Version der Ereignisse. Demnach hat der Deutsch-Kroate, der zig osteuropäische Sprachen spricht, nur für die serbische Roma-Familie gedolmetscht - und zwar beim Arzt und bei Behördengängen wie dem Besuch beim Sozialamt. Die Familie spricht kein Deutsch. Beim Kontakt mit den Ämtern sei der Wormser Friedensaktivist Hans Himmel mit dabei gewesen, so Ceh.
Ceh, der selbst Flüchtling war, bestätigt, dass sich die serbische Familie Anfang des Jahres an ihn gewandt hat. Das Ehepaar mit Kind war illegal nach Deutschland eingereist. Angeblich, weil sie als Roma in Serbien verfolgt wurden. "Der Ehemann hat sich an mich gewandt. Seine Frau war schwer traumatisiert. Sie brauchte medizinische Betreuung und Medikamente", schildert Ceh den ersten Kontakt. "Ich habe ihm gesagt, dass sie sich der Ausländerbehörde stellen müssen, um Hilfe zu bekommen." Das ist inzwischen geschehen. Die Familie wird offenbar geduldet.

Der künftige Verwaltungsfachmann bestreitet vehement, die serbische Familie nach Deutschland geschleust zu haben. "Ich kannte sie gar nicht", beteuert er. Inzwischen kommt er sich vor, wie "der Seemann vor Lampedusa, der Flüchtlinge vor dem Ertrinken rettete und dann Ärger mit der Justiz bekam", sagt er bitter.
Ceh hofft, dass sein Fall bald zu den Akten gelegt wird. Die Vorwürfe will er keinesfalls auf sich sitzen lassen.