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Bomben auf Platten und Wittlich

Bomben auf Platten und Wittlich

Der Wittlicher Bertram Hoffmann erinnert sich an die Bombardierungen von Platten und Wittlich. Anlässlich des Jahrestags war im TV vom 28. Januar 2010 auf Seite 8 eine Stadtgeschichte zum Bombenangriff in Platten am 28. Januar 1945 veröffentlicht worden.

Meine Eindrücke vom Krieg und seinen Folgen beginnen als siebenjähriger Junge in Platten.

In Wittlich war man sich des Lebens nicht mehr sicher, also schickte meine Familie mich zu Verwandten nach Platten, wo es mir im direkt an der Mosel gelegenen Bauernhaus mit zwei Eltern, zwei Kindern und zwei Omas schon vier Wochen lang sehr gutging. Nachdem ich bereits drei Sonntage mit meiner Cousine Bäbchen zur Christenlehre gegangen war, fand man an dem überaus kalten Sonntag, 28. Januar 1945, meinen roten Schal nicht, so dass beschlossen wurde, meine Cousine solle schon vorgehen und ich solle nachkommen, sobald mein Schal gefunden war.

Der Schal wurde nie mehr gefunden. Ich verpasste die Christenlehre an diesem Sonntag. Meine Cousine, die sich wohl wie die meisten Kirchenbesucher inmitten der zahlreichen Flak-Geschütze der deutschen Wehrmacht entlang der Dorfstraße auf dem Nachhauseweg befand, wurde auch nicht mehr gefunden. Die Nachricht von dem grässlichen Ereignis verbreitete sich schnell in Wittlich. Mein Vater, Jahrgang 1887, war, inzwischen 58 Jahre alt, kurz vorher von seinem Pflichteinsatz am Westwall, wo er Gräben für die Panzersperren auszuheben hatte, heimgekehrt. Mit einem geliehenen Holzschlitten kam er mich holen, noch im Ungewissen, ob ich den Angriff überlebt haben würde.

Das Leben in Wittlich wurde immer unsicherer, so dass sich meine Eltern entschlossen, zusammen mit einem befreundeten Bauunternehmer aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft ein Häuschen im Wald nördlich von Wittlich zu bauen, was viele Wittlicher ebenfalls taten. Während mein Vater seiner Arbeit am Finanzamt nachging, nistete sich meine Mutter mit uns beiden Kindern - meine Schwester war damals 13 Jahre alt - tagsüber in der Felsenburg ein. Auch die benachbarte Familie, mit deren Tochter Marga meine Schwester befreundet war, versteckte sich in dem damals sehr kleinen und hoffnungslos überfüllten Gastraum. Von dort aus brachen unser Nachbar, seine Tochter sowie meine Schwester und ich täglich auf, um an der Fertigstellung des Häuschens mehr oder weniger kräftig mitzuhelfen. Nach dem Anbruch der Dunkelheit gingen wir wieder nach Hause.

Am 13. Februar 1945 legten die Alliierten einen gewaltigen Bombenteppich über das gesamte Waldgelände nördlich der Felsenburg.

Was dort zerstört werden sollte, weiß man heute nicht mehr genau (Bahnhof Wittlich? Viadukt? vermutete Abwehrstellungen deutscher Wehrmacht?). Marga war sofort tot, ihr Vater starb nach drei Wochen im Notlazarett in Traben-Trarbach, meine Schwester verlor ein Bein.

Ich selbst war an diesem Tag ausnahmsweise bei meiner Mutter auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin in der Felsenburg geblieben. Alfred Herges war der einzige Überlebende nach dem Bombenangriff auf die Pfarrkirche in Platten. Er wurde dabei schwer verletzt, war später mein Schulkamerad und saß für kurze Zeit neben mir auf der Schulbank.

Bertram Hoffmann