Borussia Dortmund ist keine Glaubensfrage

Borussia Dortmund ist keine Glaubensfrage

Er ist nicht nur überzeugter Pastor und Prediger, sondern auch überzeugter Borussia-Dortmund-Fan: Manfred Rekowski. Seit März steht der 55-Jährige als Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland vor. Dazu zählt auch der Kirchenkreis Trier mit 56 000 Mitgliedern. Gestern war Rekowski Gast in der TV-Redaktion.

Er spricht von Auftragslage und einer Art GmbH mit der katholischen Kirche: Manfred Rekowski. Seit März ist er Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, mit 2,7 Millionen Mitgliedern zweitgrößte Landeskirche innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der 55-Jährige sieht sich selbst als Manager. Vielleicht auch als Krisenmanager. Denn die Wahl des zweifachen Vaters im Januar stand unter dem Eindruck einer Vertrauenskrise in der evangelischen Landeskirche.Kampf mit Finanzskandal

Die Kirche kämpft noch immer mit den Folgen eines Finanzskandals. Der kircheneigene Dienstleister BBZ im pfälzischen Bad Dürkheim, der unter anderem für Personalabrechnungen zuständig war, soll durch riskante Anlagen Millionen in den Sand gesetzt haben. 21,6 Millionen Euro seien für die Sanierung notwendig, sagt Rekowski im Redaktionsgespräch.

Geld, das aus den ohnehin nicht mehr so üppig sprießenden Kirchensteuereinnahmen, die Rekowski als Mitgliedsbeitrag bezeichnet, genommen werden muss. Geld, das an anderer Stelle fehle. Das tue weh, sagt der Präses und spricht von einer großen Aufgabe. Rekowski spricht auch von einer "kriminellen Energie" auch der BBZ-Geschäftsführung. Mehreren Mitarbeitern des Unternehmens werden Untreue und Bilanzfälschung vorgeworfen. Rekowski, der vor seiner Wahl zum Präses Oberkirchenrat in der Leitung der Landeskirche in Düsseldorf war, war selbst an der Aufklärung des Debakels beteiligt.

Es scheint, als schmerze den im polnischen Mojtyny Geborenen und als Fünfjähriger ins Ruhrgebiet übergesiedelten Rekowski die durch den Skandal verursachte Vertrauenskrise noch mehr als das verlorene Geld. Die Kirchenmitglieder trauten der Kirchenleitung viel zu, "aber man vertraut ihr nicht". Die Landeskirche bitte um das Vertrauen ihrer Mitglieder, die ähnlich wie bei der katholischen Kirche allerdings immer weniger werden.

Daher müsse man sich Gedanken machen, wie man die verbleibenden Gemeindeglieder (!), wie die Mitglieder der evangelischen Kirche genannt werden, besser an sich binde. Dazu gehöre, dass Gemeinden innerhalb der Landeskirche ganz "unterschiedlich" tickten. Diese Eigenständigkeit müsse bewahrt werden. Gleichzeitig müsse aber darüber nachgedacht werden, ob die Konkurrenz zwischen katholischer und evangelischer Kirche insgesamt noch Sinn mache, sagt Rekowski, der vor seinem Wechsel in die Leitung der Landeskirche bis 2011 Superintendent in Wuppertal gewesen ist. Während dieser Zeit entschieden katholische und evangelische Kirche, gemeinsam ein Hospiz zu betreiben. Solche Formen der Zusammenarbeit kann sich Rekowski auch etwa für Gemeindehäuser oder gar für Kirchen vorstellen. Also eine Art Glaubens GmbH. Rekowski spricht lieber von einer Hoffnungsgemeinschaft.Voneinander lernen

Es gebe keine Unterschiede in der Botschaft der beiden Kirchen. Die Quelle des Glaubens sei die gleiche, sagt der "überzeugte Pastor und Prediger". Trotzdem könnten beide voneinander lernen. Die evangelische Kirche etwa von der Vielfalt der Frömmigkeitsrituale der Katholiken. Und diese von der Meinungsvielfalt und den demokratischen Prozessen in der evangelischen Kirche. Allerdings einen Papst brauche die evangelische Kirche auch weiterhin nicht.

Kirche müsse sich auch weiter öffentlich wahrnehmbar äußern, sagt Rekowski. "Die Themen gehen uns nicht aus. Die Auftragslage ist gut." In solchen Aussagen blitzt dann wieder der Kirchenmanager hervor. Und jemand, der durchaus auch neue Wege der Kommunikation mit den Gemeindegliedern sucht. Etwa per Internet. Seit Anfang April führt Rekowski einen Blog, eine Art Internet-Tagebuch ( www.praesesblog.ekir.de ). Darin äußert er sich zu Glaubensfragen, zu Gott und der Welt.

Keine Glaubensfrage ist für den bekennenden Borussia-Dortmund-Fan (Mitgliedsnummer 74620), wie das Champions-League-Finale gegen die Bayern am Samstag ausgehen wird: 2:1 für Dortmund.