Bröhr will mit neuem CDU-Konzept die Landtagswahl gewinnen

Bröhr will mit neuem CDU-Konzept die Landtagswahl gewinnen

Mit Unterstützung von Kommunalpolitikern will Rhein-Hunsrück-Landrat Bröhr CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2021 werden. Seine Kandidatur gegen den Favoriten Baldauf sieht er als Wettstreit um das bessere Konzept.

Die CDU braucht nach Einschätzung von Marlon Bröhr ein neues Konzept und einen neuen Kandidaten, um nach 30 Jahren wieder die Macht in Rheinland-Pfalz zu übernehmen. Daher trete er gegen den Fraktionsvorsitzenden Christian Baldauf als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2021 an, sagte der Rhein-Hunsrück-Landrat im Redaktionsgespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Ich will gewinnen“, betonte der 45-Jährige vor dem Landesparteitag in Neustadt/Weinstraße, bei dem am Samstag der Spitzenkandidat gewählt werden soll. „Ich glaube, dass ich das glaubwürdigere neue Konzept bin.“

Die entscheidende Frage bei der Nominierung des CDU-Spitzenkandidaten sei es, wie und vor allem mit welchem Kandidaten es gelingen könne, in einem strukturkonservativen Land, in dem für die CDU die letzten Europa-, Bundestags- und Kommunalwahlen erfolgreich gewesen seien, auch die Landtagswahlen wieder einmal zu gewinnen. Seit 1991 sitzt die Union im Landtag auf der Oppositionsbank. „Es geht nicht darum, in Harmonie immer zweiter zu werden.“

Er sei „ein Neuanfang“, weil er mit den alten Wahlkämpfen nichts zu tun habe, sagte Bröhr. Und: „Ich habe 13 Jahre Erfahrung darin, Behörden zu leiten. Ich habe gezeigt, dass ich Wahlen gewinnen kann. Ich bin der jüngere Kandidat, ich komme nicht aus dem Süden, ich komme genau aus der Mitte von Rheinland-Pfalz, und ich kann natürlich andere Multiplikatoren aktivieren.“

Die Korrektur der desaströsen Finanzsituation der Kommunen würde er zum Schwerpunkt seiner Arbeit machen. Für dieses Ziel könne er Bürgermeistern und Landräte aktivieren - anders als ein Landtagsabgeordneter wie Baldauf. Das Kernproblem von Rheinland-Pfalz“ sei es, „dass wir seit Jahren von Leuten regiert werden, die nicht mit Geld umgehen können“.

Den Begriff „Kampfkandidatur“ wies er zurück. Dieser sabotiere den Grundgedanken von Demokratie. Es gehe vielmehr um einen Wettstreit der besten Ideen und Personen. „Ich würde mir noch vier, fünf weitere Kandidaten wünschen“, sagte Bröhr. „Ich schätze Christian Baldauf sehr. Ich mag ihn sogar. Aber darum geht es doch gar nicht.“ Auf die Frage, warum er nicht in Baldaufs Team mitarbeite, sagte Bröhr: „Ich hätte ihn auch gerne in meinem Team.“

Den Vorwurf aus seiner Partei, er habe seine Kandidatur aus taktischen Gründen erst kurz vor dem Parteitag bekannt geben, obwohl sich der Landesvorstand bereits Wochen vorher einstimmig auf Baldauf geeinigt hatte, wies Bröhr zurück. „Die Verantwortlichen wussten von meinem Interesse an dieser Kandidatur.“

„Ich habe ja nicht den Zeitplan verändert.“ Eigentlich habe die Union ja erst im März 2020 über ihren Spitzenkandidaten entscheiden wollen. „Es ist ohne mein Zutun und sogar ohne die entsprechenden Fragen an mich verändert worden - auf den 16. November. Dann verliert man natürlich einige Monate“, betonte Bröhr.

Dass er auch Strategien verfolge, stehe auf einem ganz anderen Blatt: „Ich bin ja sicher nicht der große Favorit an diesem Tag, und wenn ich das nicht bin, brauche ich gute Strategien“, sagte er mit Blick auf den Parteitag. Zudem sei es in einer Welt voller Donald Trumps und anderer großer Ereignisse nicht einfach, mit landespolitischen Themen in den Fokus der Nachrichten zu rücken. „Wenn überhaupt, kann man das vielleicht in einem sehr fokussierten Zeitraum davor.“

Am liebsten würde Bröhr als Ministerpräsident mit den Grünen regieren - die AfD sei dagegen ein No Go, sagte Bröhr. Die Energiewende könne sehr attraktiv sein, wenn es gelinge, den Lebensstandards mit technischen Neuerungen zu halten. Dringend notwendig sei jedoch ein massenhafter Zubau an Windrädern. „Wir haben 278 Räder im Rhein-Hunsrück-Kreis, im ganzen Bundesgebiet sind im ersten Halbjahr nicht mal mehr 100 dazu gebaut worden“, kritisierte der Landrat.

„Es ist wichtig, dass man Regelungen findet, die die Leute mitnehmen.“ Dabei spielten die Abstände der Windräder zur Wohnbebauung eine entscheidende Rolle. „Der Emissionsschutz ist das Entscheidende.“ Der Lärm sei aber nicht überall gleich, daher müsse von Fall zu Fall entscheiden werden. Entscheidend sei es zudem, dass die Menschen einen unmittelbaren Benefit von den Windrädern hätten. „Bei uns stehen fast alle Räder auf kommunalen Grund und Boden, das heißt die Gemeinschaft steckt sich die 40 000 bis 50 000 Euro Pacht im Schnitt in die Tasche.“

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