Brüderle und Mainzer Wehmut
25 Jahre steht FDP-Urgestein Rainer Brüderle an der Spitze der Landes-Liberalen. Beim Festempfang wollte sein früherer Koalitionspartner und Ex-SPD-Chef Kurt Beck aber nicht über die Halbwertzeit von Parteivorsitzenden spekulieren.
Mainz. Für den FDP-Bundes- und Fraktionsvorsitzenden Guido Westerwelle ist sein Stellvertreter Rainer Brüderle schlicht als "Mister Mittelstand" ein Markenzeichen der Liberalen. Egal wie viele spöttische Bemerkungen und Vorwürfe, Klientelpolitik zu betreiben, ihm sein Einsatz im Bundestag auch einbringt. 25 Jahre Kurs halten, das heißt nach Westerwelles Worten für einen Parteichef auch immer, einmal mehr aufzustehen als man hinfällt.
So wie der überraschende Rücktritt von Kurt Beck als SPD-Bundeschef im Publikum der Feierstunde zu Ehren des Aushängeschildes der Liberalen und seines seit ebenfalls 25 Jahren amtierenden Schatzmeisters Jürgen Creutzmann ein nachhaltiges Thema war, so durchzogen viele Bemerkungen zum Umgang der Politiker untereinander als Anspielung zu Becks abruptem politischem Ende auf der Berliner Bühne die Reden.
"Machtkämpfe und Intrigen zahlen sich nicht aus und schaden uns allen", lautete Brüderles Erkenntnis aus langjähriger Politiker-Erfahrung. Eine schlechte Vorbild-Funktion lasse nur die Vorbehalte gegen die Politiker allgemein als "diese komische Mischpoke" wachsen. Auch er agiert nach eigenem Eingeständnis in Berlin viel vorsichtiger als in Mainz, nicht zuletzt angesichts eines starken Drucks der Medien. Augenzwinkernd stellte der FDP-Landesvorsitzende, der sich 1998 nach elf Jahren im Amt des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister zum Wechsel in den Bundestag entschloss, fest: "Es war ein strategischer Fehler, Mainz nicht zur Bundeshauptstadt gemacht zu haben, sonst wäre vieles menschlicher." Nur mit Gradlinigkeit und respektvollem Umgang untereinander könne Politik glaubwürdig sein, so sein Appell.
Für einen gegenüber den letzten Tagen deutlich erholt wirkenden Beck wäre es zwar reizvoll gewesen, "über die Halbwertszeit von Parteivorsitzendenämtern zu spekulieren." Doch Brüderles langjähriger Koalitionspartner beließ es beim Dank für eine enge Kooperation im früheren sozialliberalen Bündnis, die er bei der großen Koalition vermisst. Sich gegenseitig genug Spielraum zu geben, damit der jeweils andere damit gut leben kann, lautete das Erfolgsrezept. Ein Mainzer Geist, so recht als Vorbild für Berlin, hieß die Botschaft.
Brüderle zumindest teilweise zum Vorbild hat sich auch CDU-Chef Christian Baldauf genommen, wie er zugab.
Der Liberalen-Chef als Baldauf-Vorbild
Denn schließlich war es der Oberliberale, der einmal unmissverständlich feststellte: "Opposition ist Mist." Vor 25 Jahren habe Brüderle eine nicht geeinte Partei übernommen, zusammengeführt und nach vorn gebracht, zollte Baldauf Respekt und umschrieb damit auch unmissverständlich seine eigene Herausforderung.
Doch bei allem Lob für die Lebensleistung machte FDP-Chef Westerwelle Parteimann Brüderle angesichts der politischen Großwetterlage für die Zukunft Mut: "Das Beste kommt noch." Auch 2009 will der 63-jährige wieder für den Bundestag kandidieren.