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Drei Fragen an Michael Horper: „Brüssel hat den richtigen Zeitpunkt verpasst“

Drei Fragen an Michael Horper : „Brüssel hat den richtigen Zeitpunkt verpasst“

Früher gab es Butterberge. Heute sitzt die Europäische Union auf einem gigantischen Milchpulverfass. Unsere Redakteurin Katharina de Mos hat mit Michael Horper, dem Präsidenten des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, über Ursachen und Folgen gesprochen.

Herr Horper, warum wird die EU ihr Milchpulver nicht los?

MICHAEL HORPER Nach der letzten Krise war nicht mehr Eiweiß gefragt sondern Fett. Die ganze Welt will plötzlich Sahne und Butter. Das ist schon verrückt. Vor fünf Jahren hat man noch geglaubt, man müsse das Fett in Biogasanlagen verbrennen. Damals hat die Tonne Butter 2000 Euro gekostet. Zwischenzeitlich waren es sogar 8000 Euro. Und Magermilchpulver, das immer das begehrte Produkt war, lässt sich nicht mehr absetzen.

Hat die EU einen Fehler gemacht?

HORPER Die EU hätte das Magermilchpulver vor einem Jahr auf den Markt bringen sollen. Sie hat den richtigen Zeitpunkt verpasst, weil sie darauf spekuliert, gewinnbringend zu verkaufen. Jetzt stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, das Pulver als Lebensmittelhilfe nach Somalia, Syrien oder Nordafrika zu exportieren.

Welche Folgen hat all das für die heimischen Landwirte?

HORPER Bei nachlassenden Preisen fehlt nun die Möglichkeit, Milchpulver vom Markt zu nehmen. Aber das ist kein Grund zur Panik. So schlecht ist die Marktlage gar nicht.