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Buchautorin: Ex-Landeswirtschaftsministerin Lemke erörtert, wie die Grünen sich wandeln sollten

Buchautorin: Ex-Landeswirtschaftsministerin Lemke erörtert, wie die Grünen sich wandeln sollten

Aus dem Chefsessel der rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerin auf die hintere Bank der Fraktion: Eveline Lemke ist nach der Wahl im März steil gestürzt, hat sich aber gefangen. Sie wird bald Oma - und macht sich Gedanken über den Weg der Grünen.

Schon schön heißt das Café, das Eveline Lemke für das Gespräch mit dem TV vorgeschlagen hat. Doch in dem Laden selbst sind beim Treffen alle Plätze belegt. Egal, geht's halt ein Café weiter. Ist ja nicht schlimm, sagt Lemke.

Gar nicht schön war es dagegen, was die Politikerin am 13. März diesen Jahres im Schon schön in Mainz erlebt hat. Es war der Tag der Landtagswahl und der Ort der Grünen-Wahlparty. Hauchdünn zogen die Grünen ins rheinland-pfälzische Parlament ein - und Lemke musste mit regungsloser Miene den Absturz von berauschenden 15,4 Prozent bei der Wahl 2011 auf ernüchternde 5,3 Prozent 2016 erklären.

Für die 52-Jährige war es der Anfang vom Ende ihrer Zeit als Wirtschaftsministerin. Sie räumte in den Wochen danach ihr Büro leer und sitzt im Mainzer Landtag nun in der letzten Reihe der Fraktion. Als einfache Abgeordnete. Nun habe sie wieder Zeit für andere Dinge. Schlafen, Sport, ihre Familie, im Frühjahr wird sie zum ersten Mal Oma. "Mein ganzes Handy ist voller Ultraschallbilder", erzählt sie lächelnd.

Die Politik lässt Lemke aber nicht los. In einem fast 200 Seiten starken Buch hat die gebürtige Hamburgerin den Wahlkampf verarbeitet. Es dürfte eine Streitschrift sein, die die Grünen länger beschäftigt. Denn die Politikerin fragt auch, was die Partei zu dem schlechten Ergebnis beigetragen hat - und wie sie sich wandeln muss. Das Modell, mit zwei Spitzenkandidaten und nicht mit einer starken Kraft in den Wahlkampf zu ziehen, hinterfragt sie. Ihr Tenor: Zu viele Gesichter, in den Botschaften nicht immer einig. Verloren gegangene Wählerschichten habe die Partei nicht mehr gezielt angesprochen, sich zu sehr innerhalb einer eigenen Blase bewegt.

Den rasanten Wählerverlust rechnet sie aber nicht nur den Grünen an. Die Partei habe ihre Inhalte nicht vermitteln können, da AfD, CDU und FDP erfolgreich auf die "deutsche Angst vor Überfremdung" gesetzt hätten. Im Wettbewerb mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer sei es schwer gewesen, das linke, offensive Gesicht der rot-grünen-Koalition zu sein. In der SPD unter Kurt Beck, die sie als "altbacken, provinziell und selbstherrlich" bezeichnet, sei das anders gewesen. Lemke rät den Landesgrünen auch, sich bei politischen Bündnissen nicht nur an die SPD zu klammern. Und mahnt den Zusammenhalt in der eigenen Partei an. Wer bei den Grünen in den Ruf gerate, zu viel Einfluss zu gewinnen, laufe Gefahr, seine politische Zukunft zu verspielen, schreibt sie in ihrem Buch.

Ein Satz, der auch auf das politische Schicksal von Eveline Lemke gemünzt sein könnte. Die 52-Jährige sagt aber, sie vermisse das alte Ministeramt nicht. Auf eine Kandidatur für den Bundestag verzichte sie. Sie hat ein anderes Ziel. Eins, dem sie sich mit ihrem Buch nähern will. "Ich will eine Debatte anstoßen."

Das Buch "Politik hart am Wind" von Eveline Lemke ist erhältlich im Oekom-Verlag und kostet 24,95 Euro.Extra

Eveline Lemke schlägt in ihrem Buch vor, was sich bei den Grünen ändern soll. Eine Auswahl: Neue Wähler gewinnen: Bei Problemen wie sozialer Not, Altersarmut, Steuerbelastungen schreiben Wähler den Grünen laut Lemke kaum Kompetenzen zu. Das müsse sich ändern, mit Debatten und Positionen. Direkte Ansprache: Unermüdliches Werben finde nur bedingt über soziale Netzwerke statt. Lemke setzt auf "Zuhören, Zuschauen, Verstehen". Keine Direktkandidaten: Wahlkreise gewinnen grüne Direktkandidaten in Rheinland-Pfalz eher nicht. Lemke schlägt vor, auf diese zu verzichten - und die Kraft auf die für die Zusammensetzung des Landtags entscheidende Zweitstimme zu konzentrieren. flor