"Bündelung hat sich bewährt"

"Bündelung hat sich bewährt"

TRIER. "Ich kann mir nicht leisten, parteipolitisch zu sein", sagt der Chef der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, Hans-Dieter Gassen. Im Gespräch mit der TV-Redaktion gibt der Präsident Einblicke in Aufgabenfelder und Selbstverständnis seiner Behörde.

"Wir haben das verflixte siebte Jahr ohne großen Skandal überstanden. So ganz falsch kann es also nicht gewesen sein, was wir gemacht haben", zieht Hans-Dieter Gassen anlässlich eines Redaktionsbesuchs beim TV eine zufrieden stellende Bilanz. Seit sieben Jahren ist der 63-Jährige Präsident der SGD Nord in Koblenz und Chef von 580 Mitarbeitern. Die SGD Nord ist eine der drei Landesbehörden, die seit dem Jahr 2000 die Bezirksregierungen abgelöst haben. Die auch in der Region Trier laut gewordenen Bedenken, die neue und fern der Heimat untergebrachte Behörde bringe Nachteile, könne er nachvollziehen, sagt Gassen. Aber die Bündelung der Aufgaben an einer Stelle habe sich bewährt. Die Ansprüche des Direktions-Chefs an sich und seine Mannschaft sind hoch: "Wir haben nur dann eine Existenzberechtigung, wenn wir als Dienstleister die Probleme schnell, gut und zielgerichtet lösen." Die Arbeit dürfe nicht zum Selbstzweck werden oder gar Machtansprüche befriedigen. Obwohl der frühere Offizier ("Da habe ich Menschenführung gelernt") vom Ministerpräsidenten auf seinen Posten gehoben wurde, hält er seine Unabhängigkeit hoch: "Ich kann mir nicht leisten, parteipolitisch zu sein", sagt SPD-Mitglied Gassen und verweist auf die vielen Klagen, mit denen seine Behörde konfrontiert wird. 99,5 Prozent aller gerichtlichen Auseinandersetzungen habe man gewonnen, berichtet der Präsident stolz. Von seinen Mitarbeitern fordert er, dass sie sich nicht ins "staatliche Schneckenhaus" zurückziehen, wenn es ernst wird. Im Spannungsverhältnis von Industrie- und Umweltschutzinteressen, wie beispielsweise beim Trierer Hafen, müsse "an der Front die Fähigkeit zur Kommunikation bewiesen werden". Statt einer grundlegenden Verwaltungsreform favorisiert Gassen das Motto "so wenig Verwaltung wie nötig und so viel Fachlichkeit wie möglich" - beispielsweise durch die Bildung von verwaltungs- und behördenübergreifenden Projektteams. Eine Verlagerung der staatlichen Aufgaben von der Ministeriums- und Direktionsebene auf Kreise oder Verbandsgemeinden - dies fordert unter anderem der Gemeinde- und Städtebund - ist nach Ansicht Gassens ohne die Bildung von größeren Einheiten nicht möglich. Kreise könnten in der jetzigen Form keine Aufgaben wie die Wasserwirtschaft und die Gewerbeaufsicht übernehmen. Gassen: "Wir brauchen die Mittelbehörde, um den Sachverstand zu bündeln. Und wo gebündelt werden kann, da sollten wir es auch machen."