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Bürger ärgern sich über Biotüten – Entsorger testet reißfeste Beutel

Entsorgung : Bürger ärgern sich über Biotüten – Entsorger testet reißfeste Beutel

Der Abfallzweckverband reagiert auf Kritik der Verbraucher und kündigt mehr Sammelstellen in der Region Trier an.

Yvonne Weis ist sauer. Die Frau aus Konz war nach eigenen Angaben zwei Mal bei ihrer Verbandsgemeinde, um sich ein sogenanntes Starterset zu besorgen – und zog jedes Mal unverrichteter Dinge wieder ab. „Sorry, die Biotüten und der dazugehörige Eimer sind leider vergriffen“, sei ihr dort beschieden worden. Jetzt hat Frau Weis die Nase voll von der erst Anfang des Jahres in der Region eingeführten neuen Entsorgungsmöglichkeit  für Küchenabfälle und Speisereste. „Ich habe den Abholschein für das Starterset vernichtet und verzichte auf die Biotüte“, sagt die Konzerin.

Konfrontiert man Maximilian Monzel mit der Kritik, sagt der Chef des regionalen Abfallzweckverbands ART: „Die Dinger werden uns förmlich aus der Hand gerissen, wir kommen mit der Nachlieferung kaum nach.“ Das klingt nach einem vollen Erfolg des Anfang des Jahres gestarteten Abfall-Experiments. Denn um nichts anderes handelt es sich bei der Biotüte, die nichts kostet und – auf freiwilliger Basis – von den Bürgern der Region genutzt werden kann. Ist das Projekt erfolgreich, bleibt den Eifelern, Hunsrückern und Moselanern die Biotonne erspart; floppt die Tüte, kommt in einigen Jahren die Tonne.

Knapp zwei Wochen nach dem Start kann allenfalls über Anfangsschwierigkeiten geredet werden. Aber davon gibt es einige, wie die Reaktionen auf einen Aufruf unserer Zeitung zeigen. „Wohin mit den vollen Biotüten, wenn ich nicht mit jeder Tüte direkt zu der sieben Kilometer entfernten Sammelstelle fahren will?“, fragt etwa die aus dem Moselort Wintrich kommende Brigitte Gietzen. Sie hat die vollen Biotüten zwischengelagert. „Doch die Tüten begannen aufzuweichen und zu reißen“, schildert Gietzen ein Problem, das auch andere Leser kritisieren. Bei einem Leser aus Korlingen (Kreis Trier-Saarburg) führte dies dazu, dass sich der ganze „Biomist über meinen ehemals sauberen Küchenfußboden ausgebreitet hat“. Ärgerlich. Und was sagen die Abfallverantwortlichen dazu?

„Das Problem ist bekannt“, meint ART-Geschäftsführer Maximilian Monzel. Es liege in der Natur biologisch abbaubarer Tüten, dass diese sich nach gewisser Zeit zersetzten. Sein Tipp: Feuchte Küchenabfälle erst etwas trocknen lassen oder in Zeitungspapier einwickeln. Zudem prüfe der ART gerade die Einführung von Abfallbeuteln aus Maismehl. Diese seien reißfester, und man könne sie zuknoten, sagt Monzel.

Eingetütet sind derweil Pläne zur Ausweitung der bis dato 86 Sammelstellen in der Region (der TV berichtete). Bis Jahresende sollen nach Angaben des ART-Geschäftsführers etwa 500 Sammelbehälter zusätzlich aufgestellt werden – bevorzugt an Stellen, wo schon jetzt Altglas- oder Alttextiliencontainer stehen.

Damit wäre auch die Forderung von TV-Leserin Konstanze Wosny erfüllt, die ansonsten mit dem neuen Entsorgungsangebot zufrieden ist. Die Biotüte sei eine gute Alternative zur Biotonne, meint die Triererin. Der Dauner Thomas Schmitz (im Vulkaneifelkreis gibt es die Biotonne seit zwei Jahrzehnten) will dagegen auf seine Tonne nicht verzichten. „Wenig praktikabel, zudem ökonomisch und ökologisch mehr als bedenklich“ findet er das jetzt im übrigen Teil der Region eingeführte Modell Biotüte.

Zu klein, zu unhygienisch, zu weit weg