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Bundeswehr hilft in Rheinland-Pfalz bei Bekämpfung des Borkenkäfers

Forstwirtschaft : Soldaten kämpfen gegen Borkenkäfer

2020 könnten doppelt so viele Bäume auf das Konto des Borkenkäfers gehen wie 2019, befürchtet die Forstwirtschaft. Die Bundeswehr hilft nun in Rheinland-Pfalz bei der Bekämpfung des Schädlings.

Die Zeit ist knapp, der Einsatz hoch, der „Feind“ winzig und allgegenwärtig. Peter Wind, Leiter des Forstamts Prüm fürchtet, dass dem Borkenkäfer 2020 doppelt so viele Bäume zum Opfer fallen könnten, wie im Vorjahr. Wenn es so käme, würden diese allein bei Prüm um die 300 000 Fichten vernichten.

Der Wettlauf gegen die Zeit, die Larven brauchen, um Käfer zu werden, die neue Bäume befallen, hat längst begonnen – und die Förster erhalten nun ungewöhnliche Unterstützung: 100 Soldatinnen und Soldaten helfen ihnen laut rheinland-pfälzischem Umweltministerium für zunächst zwölf Wochen bei der Aufgabe, den massiven Schädlingsbefall einzudämmen. Auch in Prüm werden am Montagmorgen zehn Soldaten ihren Dienst antreten.

Ihre Waffe im Kampf gegen die Krabbeltiere wird ein Schälmesser sein: Auf die Soldaten wartet nach einem Crashkurs in Sachen Borkenkäfer-Monitoring die harte körperliche Arbeit, Bäume zu entrinden, die von den Frühjahrsstürmen entwurzelt wurden. Denn unter der Borke frisst und vermehrt sich das Insekt – wird sie rechtzeitig entfernt, vertrocknen die Larven.

Die gängige Methode wäre eigentlich, die Bäume ganz zu entfernen: Bringt man sie mindestens 500 Meter weit weg, dann können die schlüpfenden Tierchen den Wald nicht mehr erreichen. „Dabei ergibt sich allerdings ein Platz- und Transportproblem: Es stehen weder genug Fahrzeuge zur Verfügung, die das Holz aus dem Wald bringen, noch gibt es genug Lagerfläche“, heißt es aus dem Ministerium.

Und auch große Harvester, die die Bäume nicht nur fällen, sondern gleich entrinden, gibt es laut Wind nicht genügend. Zudem kommen diese – anders als die Soldaten – auch nicht in jedem Gelände zurecht.

Betroffene Bäume aufzuspüren, fällt dem Forstamt dank eines Monitorings per Drohne und geübter Fachleute inzwischen leicht. „Die Kronen werden blasser“, sagt Wind. Und dennoch ist das Forstamt in vielen Fällen hilflos. Denn  60 Prozent der Waldfläche gehören rund um Prüm Privatleuten. Aber dürfte das Forstamt denn  nicht auch da  Bäume fällen, wenn sonst die Gefahr besteht, dass der Käfer sich ausbreitet?

„Im Privatwald sind wir faktisch machtlos“, erklärt Wind. Theoretisch sei es zwar so, dass Waldbesitzer verpflichtet sind, sich um befallene Bäume zu kümmern. Nur: Ehe der Eigentümer ausfindig gemacht und angeschrieben wurde, ehe Fristen und Nachfristen verstreichen, bevor das Forstamt „hoheitlich tätig“ werden kann, sind die Käfer längst ausgeflogen. Ein großer Teil der Tausenden Privatwaldbesitzer reagiere, ein anderer Teil nicht. Und so bleiben immer einige „Infektionsherde“ zurück.

Wind bedauert, den Waldbesitzern aktuell vor allem schlechte Nachrichten zu überbringen. Zumal die Kosten vom Holzerlös kaum noch gedeckt werden. Vor zwei Jahren habe es noch 100 Euro für den Kubikmeter Holz gegeben, Nun seien es noch 40. „Das ist ein irrer Preisverfall“, sagt Wind.

Nicht nur, dass im Moment wegen des Borkenkäfers sehr viel Holz auf dem Markt ist. Wegen der Corona-Krise sei auch die Nachfrage eingebrochen. In Deutschland laufe das Geschäft zwar weiter. Die Warenströme nach Frankreich, Großbritannien oder China hingegen seien gekappt.

2018 und 2019 mussten landesweit so viele Bäume wie noch nie notgeerntet werden – insgesamt 3,5 Millionen. Das entspricht rund 3,05 Festmetern Fichtenholz. Dieses Jahr sieht es nicht besser aus – bereits jetzt sind laut Ministerium eine Million Festmeter Schadholz angefallen. Die Schwerpunkte liegen in Westerwald, Hunsrück und Eifel. „Der Wald kann wirklich jede Hilfe gebrauchen. Durch die Klimakrise breitet sich der Borkenkäfer rasant aus, auch andere Baumkrankheiten sind auf dem Vormarsch. Ein dritter Dürre-Sommer wäre katastrophal“, sagt Forstministerin Ulrike Höfken und dankt der Bundeswehr für die Hilfe im Wald.