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Bunte Packung, gefährlicher Inhalt

Bunte Packung, gefährlicher Inhalt

Sie versprechen den legalen Rausch: die Anbieter der Kräutermischungen. Doch nicht selten endet der Rausch auf der Intensivstation des nächsten Krankenhauses. Denn die Mischungen sind hoch gefährlich.

Trier. Wer im Internet nach dem Begriff Kräutermischungen sucht, kommt ziemlich schnell auf Seiten, die die in bunten kleinen Plastikpäckchen angebotenen Mischungen anbieten. "Entspannen, loslassen und Wirkung genießen", wirbt ein Internetshop für die Mischungen. Als Firmensitz gibt dieser Tschechien an, der Versand der Ware erfolge aus unterschiedlichen EU-Staaten. "Es besteht für dich als Kunde also keine Gefahr der Zollabfertigung", wirbt der Shop, der sich als "Experten für deinen legalen Rausch" bezeichnet. Angeboten werden sie unter dem Namen Couch Trip ("Unser Bestseller haut dich um", heißt es auf der Internetseite), Black Diamonds ("Mörderprodukt") oder Hard Play ("neu und super heftig"). Zwischen 22 und 34 Euro kosten die Drei-Gramm-Packungen. Die Mischungen gibt es auch als Badesalz oder Aroma-Drops. Allen Mischung gemein ist, dass sie vermutlich hoch gefährlich sind.
Und sie sind legal. Denn der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hatte im Juli entschieden: Kräutermischungen, die als Cannabis-Ersatz genutzt werden, sind keine Arzneimittel. Und damit können sie nicht verboten werden.Oft stärker als ein Joint


Zumeist enthalten die Mischungen, die auch als Legal Highs angeboten werden, künstliche Cannabinoide, Stoffe also, die die Wirkung von Cannabis nachahmen, aber nicht selten eine viel stärkere Wirkung haben als ein Joint. Und genau das mache die Mischungen so gefährlich, sagt Sabine Bamberg, Sprecherin des Trierer Polizeipräsidiums. Oft gingen lebensbedrohliche Gefahren von den Mischungen aus, was aber für die Konsumenten nicht zu erkennen sei.
"Weder Name, Verpackung noch Verkaufsquelle lassen Rückschlüsse auf die Gefährlichkeit zu", sagt die Polizeisprecherin. Jede Mischung habe andere Auswirkungen. Mit was die Kräuter, Badesalze oder Drops vermischt wurden, wisse keiner. Hinzu komme, dass die Kräutermischungen nicht selten in kleinen Hinterhofküchen hergestellt werden. Und zwar unter zum Teil katastrophalen hygienischen Zuständen, wie etwa in dem kleinen Drogenlabor, das kürzlich die Wittlicher Kripo entdeckt hat. Auf einem völlig verstaubten Boden wurden mit einem verdreckten Standmixer die Mischungen angerührt.
Dieses relativ einfache Herstellen der Droge macht sie aus Sicht von Wolfgang Thomas, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Trierer Klinikum Mutterhaus, so gefährlich. Dadurch könnten Jugendliche einfach an die Mischungen kommen, ohne sich darüber Gedanken zu machen, welche Gefahren mit dem Konsum verbunden sind. Schließlich könnten die bunten Tütchen ja legal gekauft und als Zigarette geraucht werden. Aber: "Es drohen schwerwiegende Gesundheitsbeeinträchtigungen", sagt Thomas. Die Jugendlichen, die in seiner Abteilung behandelt worden waren, hatten schwere Bewusstseinsstörungen, einige hatten Halluzinationen. "Sie waren wie alkoholisiert", beschreibt Thomas den Zustand der vier 15- bis 17-Jährigen, die Mitte September an einem Tag mit den Vergiftungserscheinungen ins Mutterhaus eingeliefert wurden.
Lebensgefahr habe allerdings bei keinem der bislang in Trier behandelten Legal-Highs-Konsumenten bestanden - pro Woche seien es bis zu zwei Jugendliche. Doch weil sich die Zusammensetzungen der Mischungen immer wieder änderten, könne nie ausgeschlossen werden, dass es doch zum Herzinfarkt komme.
Bei den geringsten Symptomen, die auf den Konsum von Kräutermischungen hindeuten können (Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, Halluzinationen oder Bewusstsseinstörungen), sollten Eltern ihre Kinder ins Krankenhaus bringen, sagt der Chefarzt. Und den Kindern sollte eingebläut werden, keine Zigaretten oder Getränke von Fremden anzunehmen.Extra

Die Kräutermischungen werden meistens geraucht, Badesalze auch getrunken oder geschnüffelt. Die Wirkungen können vielfältig sein. Zum Beispiel Herz-Kreislauf-Probleme, Halluzinationen, Seh- und Hörstörungen, Depressionen, Verfolgungswahn. Nierenfunktionsstörungen und Psychosen. Die Mischungen sind legal zu kaufen. Vor dem Hintergrund der erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigungen sei jedoch nicht entscheidend, in welchem Maße eine Zusammensetzung von berauschenden Substanzen gegen geltendes Recht verstößt, sondern dass lebensbedrohliche Gefahren von ihnen ausgehen können, sagt die Trierer Polizeisprecherin Sabine Bamberg. cb/wie