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Burger, Chips, Pizza, kaum Sport: Jedes siebte Kind ist zu dick

Burger, Chips, Pizza, kaum Sport: Jedes siebte Kind ist zu dick

Ärzte und Psychologen warnen vor einer bedenklichen Entwicklung: Auf der einen Seite sind immer mehr Kinder und Jugendliche krankhaft dick. Auf der anderen Seite leiden immer jüngere Jugendliche unter Essstörungen.

Einfach dann etwas essen, wenn man Hunger hat: Was so simpel klingt, ist für viele Kinder und Jugendliche ein Problem. Die einen verbringen ihre Tage vor dem Computer oder dem Fernseher, essen zu viel Pizza, Chips und Burger - und werden krankhaft dick. Die anderen eifern Schönheitsidealen nach, hungern, "fressen" und erbrechen, bis sie unter einer ernsthaften, im schlimmsten Fall lebensbedrohlichen Essstörung leiden.

"Die Zahl der übergewichtigen Kinder steigt ständig", sagt Maria Schlecht, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin am Trierer Mutterhaus. Jedes siebte Kind sei inzwischen übergewichtig. Sechs Prozent seien adipös - krankhaft fettleibig. Eine Studie des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zeigt, dass sich die Zahl der übergewichtigen Kinder seit den 90er-Jahren um 50 Prozent erhöht hat. Die Folgen sind keinesfalls nur ästhetischer Natur. Der Nachwuchs leidet unter Krankheiten des Erwachsenenalters: Bluthochdruck, Leberverfettung, Diabetes und Gelenkschäden, aber auch Depressionen und Angststörungen.

Ebenfalls alarmierend ist ein anderer Trend. "Jugendliche, die unter Essstörungen leiden, werden immer jünger", sagt Karoline Weiland-Heil, die sich an der Uni Trier in Forschung und Lehre mit dem Thema Essstörungen befasst. Dazu zählen Magersucht, Bulimie (Ess-Brechsucht) und Binge-Eating - eine von Fressanfällen gekennzeichnete Störung. Laut Studie des Robert Koch-Instituts finden sich bei einem Fünftel der 11- bis 17-Jährigen Hinweise auf ein gestörtes Essverhalten, vor allem bei Mädchen. "Junge Menschen definieren sich stark über ihren Körper und ihr Aussehen. Sie bekommen viel Anerkennung, wenn sie abnehmen", sagt die Expertin, die beim Netzwerk Essstörungen Trier auch regelmäßig Treffen für die Angehörigen organisiert. Denn meist leidet die ganze Familie unter dem Teufelskreis, in dem das Kind gefangen ist.

Wie die Jugend-Studie zeigt, haben Kinder aus Migrantenfamilien und aus Familien mit niedrigem Sozialstatus ein besonders hohes Risiko, unter Übergewicht oder Essstörungen zu leiden.