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Caritas & Co.: Was die Wohlfahrt im Land kostet – und was sie bringt

Caritas & Co.: Was die Wohlfahrt im Land kostet – und was sie bringt

Wohlfahrt ist in Rheinland-Pfalz laut einer Studie nicht nur ein Kosten-, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Von jedem investierten Euro flössen 72 Cent an den Staat zurück. Zudem würden regionale Betriebe und der Arbeitsmarkt gestärkt.

Die Wohlfahrtsverbände wie die Caritas oder die Diakonie unterhalten zwei Drittel aller landesweiten Heime und Einrichtungen der Alten-, Arbeitslosen-, Behinderten-, Jugend- und Wohnungslosenhilfe. 175?000 Beschäftigte arbeiten in diesem Bereich. Damit gehört die Sozialwirtschaft neben Handel und verarbeitendem Gewerbe zu den größten Arbeitgebern im Land.

Die sozialen Dienstleister finanzieren sich vor allem über öffentliche Zuschüsse. Verbreitet ist die Ansicht: Das kostet nur Geld. In einer neuen Studie erläutert der Koblenzer Sozialforscher Stefan Sell jedoch, dass die Wohlfahrtspflege auch etwas einbringt. Die Rechnung des Professors: Die öffentliche Hand investiere jährlich gut 1,9 Milliarden Euro in die sozialen Einrichtungen des Landes, zum großen Teil Leistungsentgelte aus den Kassen der Sozialversicherungen. Allerdings fließe gut eine 750 Millionen Euro zurück ans Finanzamt und an Sozialversicherungen. Beschäftigte im Sozialbereich und davon abhängige Berufstätige zahlten außerdem Steuern und Abgaben von zusammen fast 600 Millionen Euro. Also flössen von jedem investierten Euro 72 Cent an den Staat zurück, sagt Sell. Und: Die Einrichtungen stärkten mit Investitionen und über Konsumausgaben ihrer Mitarbeiter Betriebe im Handwerk und Handel.

Sells Studie untersucht am Beispiel der Heimerziehung im Kreis Bernkastel-Wittlich auch regionale Beschäftigungseffekte. Ergebnis: Rechnerisch sicherten dort 389 Heimmitarbeiter 138 Jobs in anderen Bereichen.
Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) sagt, die Wohlfahrtspflege zeige Wachstumspotenzial: "Hier entstehen Ausbildungsplätze mit Zukunft. Die Arbeitsplätze wirken der Landflucht entgegen." Die Wohlfahrtsverbände sehen in der Studie "wichtige Argumente für unsere Arbeit in den Gremien".

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