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Cattenom-Äußerung lässt regionale Politiker hoffen: Französische Ministerin spricht über mögliche Abschaltung

Cattenom-Äußerung lässt regionale Politiker hoffen: Französische Ministerin spricht über mögliche Abschaltung

Nach einer Äußerung der französischen Umweltministerin Ségolène Royal gibt es neue Hoffnung, dass der grenznahe Pannenmeiler Cattenom in absehbarer Zeit abgeschaltet werden könnte. Ähnliche Meldungen gab es allerdings auch schon in der Vergangenheit – gefolgt von neuen Hiobsbotschaften.

Der luxemburgische Premier Xavier Bettel war voll des Lobes, kaum dass sich die vermeintliche gute Nachricht aus dem Nachbarland verbreitet hatte. "Unsere Bemühungen für die endgültige Schließung von Cattenom haben Früchte getragen", jubelte der liberale Politiker auf seiner Internetseite.

Hintergrund der Äußerungen Bettels ist ein wenige Tage zurückliegendes Statement der französischen Umweltministerin. Bei einem Arbeitsfrühstück mit Botschaftern anderer europäischer Staaten wird Ségolène Royal mit dem Satz zitiert, die grenznahen französischen Atomkraftwerke, darunter Cattenom und Fessenheim, sollten "prioritär" vom Netz genommen werden. Nach dieser Ankündigung von Madame Royal werden wir unsere Bemühungen bei der französischen Regierung fortsetzen", kündigte der Premier an.

Die luxemburgische Regierung hat ihre Anti-Cattenom-Initiativen seit geraumer Zeit intensiviert. Vor einigen Wochen bot Regierungschef Bettel Frankreich sogar Geld an für den Fall, dass das Nachbarland den Atommeiler abschalte. "Wenn in Cattenom etwas Schreckliches passieren würde, wäre Luxemburg von der Landkarte gelöscht", begründete der 43-Jährige das ungewöhnliche Angebot.

War diese Offerte womöglich ein Punkt, warum die französische Regierung nun womöglich einlenkt und den pannengeplagten Reaktor früher vom Netz nehmen könnte?

Brief an Kanzlerin Merkel

Der nur 50 Kilometer Luftlinie von Trier entfernt gelegene Reaktor produziert seit 30 Jahren Atomstrom. Bei der Inbetriebnahme war geplant, den Meiler 2026 abzuschalten; inzwischen spricht der Betreiber der drittgrößten Atomanlage Frankreichs, der Energiekonzern EDF, sogar von einer möglichen Laufzeit bis 2046. Nicht nur für Luxemburg eine Horrorvorstellung.

Auch die deutschen Anrainerbundesländer Rheinland-Pfalz und das Saarland laufen seit langem Sturm gegen Cattenom, in dem es schon Hunderte Störfälle gab.

"Schaltet Cattenom und Fessenheim ab", hatte die ehemalige rheinland-pfälzische Energieministerin Eveline Lemke (Grüne) noch im März gefordert, nachdem Experten die Sicherheitstechnik der Druckwasserreaktoren kritisiert hatten. Nicht zum ersten Mal.

Es ist allerdings auch nicht das erste Mal, dass sich Politiker diesseits und jenseits der Grenze Hoffnung machen, dass Cattenom früher als geplant abgeschaltet werden könnte. Vor fünf Jahren beispielsweise sprachen einige Politiker bereits von einem "echten Durchbruch", nachdem sich Frankreichs Sozialisten und Grüne auf einen Kompromiss in der umstrittenen Frage des Atomausstiegs geeinigt hatten. Danach sollte knapp die Hälfte der 58 französischen Atomreaktoren, darunter Cattenom, innerhalb von 14 Jahren abgeschaltet werden. Einige Zeit später war dann plötzlich von einer möglichen Laufzeit bis 2046 die Rede.

Der Trierer CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster sieht in den jüngsten Äußerungen der französischen Umweltministerin dennoch ein positives Signal. Es sei "das erste Mal, dass eine hochrangige Politikerin eine konkrete Abschaltperspektive ins Gespräch" bringe, sagte Kaster unserer Zeitung. Nun müsse auch die deutsche Seite "dranbleiben und verhandeln". Eine passende Gelegenheit bietet sich schon bald: Übernächsten Sonntag trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel in Verdun den französischen Präsidenten. In einem Brief hat Kaster seine Parteifreundin darum gebeten, sich bei François Hollande für die Abschaltung des grenznahen Pannenmeilers einzusetzen.