Cattenom: Land will schnellere Infos

Cattenom: Land will schnellere Infos

Rheinland-Pfalz und das Saarland fordern Frankreich auf, besser über Zwischenfälle im Kernkraftwerk Cattenom zu informieren. Hintergrund ist der Brand eines Transformators. Gestern wurde ein weiterer Störfall bekannt.

Als am Nachmittag des 7. Juni dunkle schwarze Rauchwolken über dem Kernkraftwerk Cattenom an der lothringischen Obermosel aufgestiegen sind, informierte der Kraftwerksbetreiber, der französische Stromkonzern EDF, schnell: Per Kurznachrichtendienst Twitter meldete die EDF den Brand eines Trafos im Internet. Nur die deutschen Behörden wurden erst später informiert. Das saarländische Umweltministerium erhielt etwa zwei Stunden nach dem Brand eine Meldung aus dem Kraftwerk. Das für den Strahlenschutz zuständige Energieministerium in Mainz wurde von den Kollegen in Saarbrücken informiert. Das Energieministerium gab die Meldung an das für den Katastrophenschutz zuständige Innenministerium. Doch keines der beiden Ministerien sah eine Notwendigkeit, die Öffentlichkeit offiziell über den Brand zu informieren, weil es sich nicht um eine Katastrophe handele.

Nun fordern Rheinland-Pfalz und das Saarland die lothringische Regionalregierung auf, künftig besser über Zwischenfälle in Cattenom zu informieren. "Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass auch die Bevölkerung im Saarland und in Rheinland-Pfalz gegenüber den Gefahren, die von veralteten kerntechnischen Anlagen wie Cattenom ausgehen können, sehr sensibel ist", schrieben die Innenstaatssekretärin Heike Raab und ihr saarländischer Kollege Georg Jungmann an den Präfekten in Metz. Sie schlagen die Unterzeichnung einer Vereinbarung mit Lothringen vor, die auch den Informationsfluss bei nichtnuklearen Vorfällen in Cattenom regelt. Der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz will die jüngsten Pannen und die mangelnde Informationen darüber auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der lokalen Informationskommission des Kernkraftwerks setzen.

Gestern gab die EDF einen weiteren Störfall in Cattenom bekannt: Bei Wartungsarbeiten am vierten Reaktorblock gab es am Donnerstag Probleme mit Absperrventilen bei Leitungen, die borsäurehaltiges Wasser enthalten. Der Zwischenfall wurde auf der Störfallskala (von null aufsteigend bis sieben) mit eins bewertet.

Mehr von Volksfreund