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CDU: Französisch soll Pflichtfach werden

CDU: Französisch soll Pflichtfach werden

TRIER/LANGSUR. Eine Riege hochrangiger CDU-Politiker forderte gestern Morgen in Langsur, die in den Kindergärten begonnene Heranführung an die französische Sprache nahtlos in der Grundschule fortzusetzen. Außerdem soll Französisch in sämtlichen Schularten bis zum Abschluss als Pflichtfach unterrichtet werden. Die Christdemokraten kritisierten die Landesebene – eingeladen hatte man sie jedoch nicht.

Initiator der Langsurer Runde war der Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster. "Wir machen nur halbe Sachen und kommen dabei nicht weiter", sagte Kaster in Bezug auf den Französisch-Unterricht in Schulen und Kindergärten. Kaster präsentierte ein Positionspapier, in dem von einer "Sprach- und Ausbildungsoffensive für unsere Region" die Rede ist. Der erste spielerische Kontakt mit der Fremdsprache Französisch findet vielerorts in der Region bereits in den Kindergärten statt, hier trägt das Land 60 Prozent der Personalkosten. Kaster formulierte die erste Forderung der Langsurer Runde: "Diese Programme sind unterstützenswert und müssen fortgeführt sowie weiterausgebaut werden." Außerdem müsse man über eine höhere finanzielle Beteiligung des Landes diskutieren.Schlimmer Zustand: "Bikini-Französisch"

Doch nach dem Kindergarten sei zunächst Schluss, darüber waren sich die Christdemokraten einig. Jürgen Backes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bitburg-Land, bezeichnete diesen Zustand als "Bikini-Französisch". Der Bikini habe unten und oben ein wenig Stoff, in der Mitte aber nichts. Das treffe auch auf den Französisch-Unterricht zu. Backes: "Dieses Thema hat auf Landesebene lange nicht den Stellenwert, den es haben müsste." Die Bikini-Mitte entspricht nach Ansicht der CDU-Riege den ersten beiden Grundschul-Jahren. Ihre Forderung: Der Fremdsprachenunterricht muss nach dem Kindergarten auch in den Schuljahren eins und zwei ohne Unterbrechung weitergehen. Kaster: "Bei der Einstellung neuer Lehrkräfte muss die Lehrkompetenz in Französisch ebenso wie in Englisch sichergestellt werden." Nach der Grundschule, so der CDU-Bundestagsabgeordnete, dürfe es keine Konkurrenz zwischen Englisch und Französisch geben. "Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch." Beide Sprachen sollen durchgehend bis zum Schulabschluss unterrichtet werden - in allen Schularten, auch in den Berufsschulen. Kaster: "Als Sprache unserer Nachbarn ist Französisch ein Wettbewerbsvorteil für Einzelhandel und Handwerk." Karl-Heinrich Orth, Bürgermeister von Langsur und Erster Beigeordneter der VG Trier-Land, berichtete von den Erfolgen seiner Gemeinde mit dem Programm "Lerne die Sprache des Nachbarn". Triers Schuldezernent Ulrich Holkenbrink verwies auf das Hindenburg-Gymnasium, das man nicht nur mit dem Abitur, sondern auch mit dem französischen Baccalauréat verlassen kann. Initiator Kaster hatte keine Repräsentanten der Landesregierung zu der Langsurer Runde geladen. Es habe ja schließlich jede Menge Schriftverkehr gegeben, sehr viele Gespräche, immer wieder Kontakte, so Kaster. "Wir wollten das Thema jetzt einfach mal anmahnen." Das Mainzer Bildungsministerium legte dem TV dennoch seine Sicht der Dinge dar. "Französisch hat an rheinland-pfälzischen Schulen einen sehr hohen Stellenwert. Von einer Vernachlässigung kann keine Rede sein", sagte Pressesprecher Wolf-Jürgen Karle. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler an allgemein bildenden Schulen, die Französisch lernen, liege in Rheinland-Pfalz über dem Bundesdurchschnitt. Die Theorie des "Bikini-Französisch" kann das Ministerium nicht teilen: Rheinland-Pfalz sei eines der wenigen Bundesländer, das ab der ersten Grundschulklasse "flächendeckend und durchgängig eine integrierte Fremdsprachenarbeit auch in Französisch" anbiete. Es gebe zudem fünf Grund- und 14 weiterführende Schulen mit bilingualem Unterricht in mehreren Fächern in Deutsch und Französisch. Die Landesregierung arbeite derzeit an einem Konzept, in dem neben anderen Fächern auch der Fremdsprachenunterricht gestärkt werden solle.