Champagner auf Capri zum Nulltarif

Champagner auf Capri zum Nulltarif

Politiker genießen mitunter exklusive Privilegien. Zum Beispiel aufgrund ihrer ruhmreichen Tätigkeit in Aufsichtsräten von öffentlichen Unternehmen. Allerdings kann die Medaille eine Kehrseite haben, wie dieser Tage der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel erfahren muss.

Der Sozialdemokrat ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Diese ermittelt gegen ihn und weitere Aufsichtsratsmitglieder sowie gegen die beiden Geschäftsführer der Überlandwerke Groß-Gerau GmbH (ÜWG), einer Tochter der Mainzer Stadtwerke. Es geht darum, dass sich die Herren mit ihren Ehefrauen im Jahr 2004 nach der Devise "kostenlos reisen, edel speisen" auf ins sonnige Italien machten. Die viertägige Reise umfasste eine Segeltour und Besichtigungen von Capri und Pompeji. Champagner und Blumen inklusive. Das Kleingeld von 49 000 Euro für den Trip zahlte die Firma. Welch ein Pech, dass es laut Staatsanwaltschaft Koblenz keinen dienstlichen Anlass gab. Die Konsequenz: Strafbefehle gegen die beiden Geschäftsführer und zwei Aufsichtsräte wegen Untreue, einhergehend mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen. Der Mainzer OB hat vorerst keinen Strafbefehl erhalten, sein Verfahren läuft noch. Es ist nicht das einzige gegen ihn: Untreue und Vorteilsnahme stehen im Raum bei den Ermittlungen bei der Wohnbau GmbH, ein Unternehmen, das rund 11 000 Wohnungen in Mainz betreut und aufgrund riskanter Finanzgeschäfte und Großbauprojekte tief in die roten Zahlen gerutscht ist. Wohl dem, der in schwerer Stunde auf das Vertrauen seiner Freunde zählen kann. Beim politischen Aschermittwoch der SPD saß Jens Beutel wie immer am Tisch von Ministerpräsident Kurt Beck.

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