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Chinesischer Bauriese kauft Hahn und plant Ausbau des Frachtgeschäfts

Chinesischer Bauriese kauft Hahn und plant Ausbau des Frachtgeschäfts

Der Flughafen Hahn wird chinesisch: Das Land Rheinland-Pfalz will seinen 82,5-prozentigen Anteil an einen Investor aus dem Reich der Mitte verkaufen. Der Kaufvertrag ist bereits unterschrieben. Der Landtag muss dem Verkauf aber noch zustimmen.

Shanghai Yiquian Trading Co. Limited - so heißt der neue Besitzer des Flughafens Hahn. In Deutschland ist der chinesische Investor, der sein Geld überwiegend in der Bauindustrie verdient, bislang wenig bekannt. Der Konzern habe einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag für den Anteil des Landes (82,5 Prozent) gezahlt, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Montagmorgen bei einer Pressekonferenz auf dem Hahn.

Die exakte Zahl nannte er nicht. Branchenkenner gehen davon aus, dass nicht mehr als zehn Millionen Euro gezahlt worden sind. Der Kaufvertrag wurde bereits am vergangenen Donnerstag unterschrieben. Der Landtag muss dem Verkauf noch zustimmen.

Die restlichen Anteile des Hahn (17,5 Prozent) sollen vorerst weiter im Besitz des Landes Hessen bleiben.

Laut Yu Tao Chou, Sprecher des Investors, sollen alle 320 Mitarbeiter des Flughafens übernommen werden. Er selbst werde neben dem derzeitigen Geschäftsführer, Markus Bunk, zweiter Chef auf dem Hahn. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei sehr gut, sagte Betriebsratsvorsitzender Thomas Dillmann. Er beurteilt die Pläne des Investors positiv.

Chou kündigte an, zunächst das Frachtgeschäft auszubauen. Dazu liefen derzeit Gespräche mit der chinesischen Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express über eine Rückkehr in den Hunsrück. Diese hatte im März vergangenen Jahres den Hahn verlassen und fliegt seitdem ab München. Der Vertrag dort liefe demnächst aus, sagte Chou.

Mittelfristig will der Investor auch die Zahl der Passagiere steigern. Er gehe derzeit davon aus, dass die irische Fluggesellschaft Ryanair weiter vom Hunsrück aus fliegen werde. Aber eine Fluggesellschaft sei zu wenig, um ein Passagierwachstum zu erreichen. Künftig solle es Pauschalreisen von Asien aus an den Hahn geben.

Zusätzlich zum Kaufpreis will der Investor mittelfristig 22 Millionen Euro in den Hahn investieren. Lewentz sagte zu, dass das Land den gleichen Betrag zuschießen und ferner 25 Millionen Euro Betriebskostenbeihilfen leisten werde. Die EU hatte diese Beihilfen für den Hahn bis 2024 genehmigt. Insgesamt werde das Land in den nächsten Jahren den Flughafen mit 70 Millionen Euro unterstützen, sagte Lewentz.

Heftige Kritik kam von der CDU, vor allem weil der Verkauf bereits vor der Abstimmung im Landtag besiegelt worden sei. Das sei eine Farce, schimpfte Fraktionsvize Alexander Licht.

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