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Corona hat den Jobfrust bei Pflegekräften in Rheinland-Pfalz vergrößert

Pflege : Corona hat den Jobfrust bei Pflegekräften vergrößert

Viele Überstunden, hohe Arbeitsbelastung, keine verlässliche Freizeit – all das sorgt für eine hohe Unzufriedenheit bei den Pflegekräften. Dreiviertel von Ihnen spielen mit dem Gedanken, den Job hinzuschmeißen. Und das nicht wegen der Impfpflicht.

Es sind eindeutige Zahlen: Dreiviertel der Pflegekräfte in Rheinland-Pfalz denkt darüber nach, den Job hinzuschmeißen. Dabei sind es vor allem die Jüngeren, die immer weniger Lust haben, in Kliniken, Pflegeheimen oder in ambulanten Pflegediensten zu arbeiten – die Corona-Pandemie hat die Unzufriedenheit noch verstärkt. Das ergibt sich aus einer Studie, die die Landespflegekammer beim Institut für Demoskopie Allensbach in Auftrag gegeben hat. 1253 Mitgliedern der Kammer haben sich daran beteiligt.

Die Umfrage zeigt, wie groß der Job-Frust bei einigen Pflegekräften ist. Knapp drei Viertel fühlt sich durch die Corona-Krise belastet. 29 Prozent sagten, sie seien „stark belastet“, 45 Prozent, sie seien „eher belastet“.

Die Ergebnisse zeigten, „dass die Pflege in einem besorgniserregenden Zustand ist“, sagte Kammer-Vorstandsmitglied Brigitte Anderl-Doliwa. Die Unzufriedenheit ist laut der Umfrage noch nicht auf einmal auf eine schlechte Bezahlung zurückzuführen, sondern  vor allem auf die zu hohe Arbeitsbelastung zurückzuführen. Diese komme auch dadurch, dass wegen Personalmangels, viele Pflegekräfte oft viele Überstunden vor sich herschieben würden. Während bei den Pflegekräften in den ambulanten Diensten und in den Kliniken die Zahl der Überstunden während der Pandemie im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 leicht zurückgegangen ist, ist sie bei den Beschäftigten in den Altenheimen deutlich gestiegen. Im Durchschnitt haben die dort arbeitenden Pflegekräfte 92 Überstunden auf ihrem Arbeitszeitkonto. Ein weiterer Aspekt, der laut Anderl-Doliwa zur Unzufriedenheit beiträgt, ist die ebenfalls dem Personalmangel geschuldete Unplanbarkeit der Freizeit. Immer wieder komme es vor, dass Pflegekräfte aus ihrem „frei“ gerufen würden und kurzfristig einspringen mussten. Sie schlägt eine finanzielle Unterstützung der Pflegekräfte vor, damit diese ihre Arbeitszeit reduzieren könnten. Auch sollten Erholungsmaßnahmen gefördert werden. 

 „Ein größer werdender Personalengpass in Heimen und Krankenhäusern stellt auch automatisch eine Gefahr für die pflegerische Versorgung der Bevölkerung dar“, sagt Kammerpräsident Markus Mai. Er wiederholte seine Forderung nach einem Mindesteinstiegsgehalt von 4000 Euro. Als Sofortmaßnahme plädiert Mai für einen Steuerfreibetrag von mindestens 1000 Euro pro Monat, „damit wenigstens mehr Netto vom Brutto verbleibt“. Von dem von der Politik versprochenen einmaligen Pflegebonus hält er wenig.

Es müsse alles dran gesetzt werden, „einen noch größeren Personalschwund zu verhindern“, sagte Anderl-Doliwa. Dass die ab März geplante Impfpflicht für Beschäftigte des Gesundheitswesens, zu einem größeren Exodus an Arbeitskräften in Heimen und Kliniken führt, glaubt Mai nicht. Allerdings lassen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zumindest aufhorchen. Vor der Einführung einer einrichtungsbezogenen Corona-Impfpflicht im Gesundheitswesen hätten sich in Deutschland deutlich mehr Pflegekräfte arbeitsuchend gemeldet. Das seien im Dezember und Januar ungefähr 12.000 Pflegekräfte mehr als üblich gewesen, sagte Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Im gesamten Gesundheits- und Sozialsektor waren es demnach 25.000 Arbeitsuchende über das übliche Niveau hinaus.

Laut den neuesten Zahlen aus dem rheinland-pfälzischen Sozialministerium sind 92 Prozent der in Pflegeheimen Beschäftigten vollständig geimpft und 69 Prozent bereits geboostert. In der Region sieht es ähnlich aus.92,2 Prozent der Pflegekräfte in Einrichtungen sind vollständig geimpft, 73,8 Prozent geboostert. Sozialminister Alexander Schweitzer (SPD) zeigt sich zufrieden. Die Zahlen untermauerten eine hohe Impfquote in den Pflegeeinrichtungen. „Die ganz große Mehrheit unter den Beschäftigten ist sich ihrer Verantwortung bewusst und lässt sich impfen“, so Schweitzer.