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Corona: Impfen für ab 12-Jährige - Start für Auffrischungsimfpung

Nach Gesundheitsministerkonferenz : Wie es in Rheinland-Pfalz beim Impfen für Kinder ab 12 Jahren und bei Auffrischungen für Senioren weitergeht

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben am Abend eine Entscheidung getroffen. Warum diese – gerade mit Blick auf 12- bis 17-Jährige – Brisanz birgt. Und wann nun auch Impfzentren die jungen Leuten im Land impfen sollen.

Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren sollen auch in Rheinland-Pfalz die Möglichkeit bekommen, sich in einem Impfzentrum gegen das Coronavirus schützen zu lassen, in denen die Wartelisten meist abgearbeitet sind. Und offenbar geht’s schnell: Laut Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) sollen Impfzentren und durch das Land rollende Impfbusse ab Mitte dieser Woche Beratungsgespräche anbieten und impfen können. „Damit können wir dem Wunsch vieler Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Eltern entsprechen und eine Impfung nach ärztlichem Aufklärungsgespräch im Impfzentrum anbieten“, sagte Minister Clemens Hoch.

Gründe für abwartende Haltung der Stiko

Der Beschluss von Bund und Ländern wird aber auch als eine Abkehr von Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) gewertet. Diese warnte davor, dass es zu wenig zuverlässige Daten zu Folgeschäden bei 12- bis 17-Jährigen nach Impfungen gebe. Landesärztekammer-Chef Günther Matheis sagte unserer Zeitung am Nachmittag, es bringe „gar nichts, die Stiko unter Druck zu setzen oder schlecht zu reden“. Er riet, so lange abzuwarten, bis Studienergebnisse aus den USA vorliegen. Das Mainzer Stiko-Mitglied Fred Zepp hatte im Gespräch mit unserer Zeitung damit gerechnet, dass dies noch einige Tage dauern könne. Laut den in den USA durch die Gesundheitsbehörden veröffentlichten Daten treten in einem unter 20 000 Impfungen bei jungen Männern Herzmuskelentzündungen auf, sagte Zepp nach bisherigen Erkenntnissen und begründete damit auch die abwartende Haltung der Stiko.

Bislang können sich 12- bis 17-Jährige nur bei Kinderärzten und niedergelassenen Medizinern impfen lassen, wenn sie eine Vorerkrankung haben oder wenn es zuvor ein Beratungsgespräch gegeben hat. Viele Ärzte weigern sich aber, Kinder und Jugendliche zu impfen, die Vorerkrankungen haben. Erweist sich die Arztsuche für Eltern schwer, gibt es in Rheinland-Pfalz die Möglichkeit, über den Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung unter der Rufnummer 116 117 Unterstützung zu bekommen. Landesärztekammerchef Matheis sagte: Bevor ein voreiliges Impfangebot für 12- bis 17-Jährige gemacht werde, sollten sich zuerst Berufsgruppen wie Lehrer und Erzieher flächendeckend schützen lassen, die mit Kindern arbeiteten.

Wer zuerst eine Corona-Auffrischungsimpfung bekommt

Auch zu Auffrischungen für Menschen, die vollständigen Impfschutz haben, gab es am Montag einen Beschluss der Gesundheitsminister. In Rheinland-Pfalz sollen diese ab September starten. Eine dritte Dosis sollen ab dann zunächst Risikopatienten wie Senioren, Pflegebedürftige und Menschen mit Vorerkrankungen bekommen. Anschließend sollen diejenigen folgen, die Impfungen mit AstraZeneca oder Johnson und Johnson bekommen haben. Gesundheitsminister Hoch kündigte unter anderem Impfungen in Pflegeheimen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe an. Menschen mit Immunschwäche, Hochbetagte und Pflegebedürftige, die zu Hause leben, sollen die Auffrischung von ihren behandelnden Ärzten bekommen. Der Minister sagte laut Mitteilung: „Erste Studienergebnisse zeigen, dass bestimmte Personengruppen mit einer zusätzlichen Impfung einen längeren Impfschutz erhalten können. Durch die ausreichende Versorgung mit Impfstoff können wir nun für besonders vulnerable Personen eine weitere Impfung anbieten.“