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Corona-Lage in Rheinland-Pfalz: Maßnahmen wirken, aber Lage weiter angespannt

Pandemie : Corona-Lage in Rheinland-Pfalz: Maßnahmen wirken, aber Lage weiter angespannt

Die Inzidenz in Rheinland-Pfalz geht weiter zurück. Eigentlich ein gutes Zeichen. Wäre da nicht Omikron, die neue Corona-Variante, die der Landesregierung und ihren Experten Sorge machen würde. So bereitet sich das Land auf die mögliche neue Welle vor.

Es gebe keinen Grund, sich beruhigt zurückzulehnen, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Freitagmittag in der Staatskanzlei, nachdem sie und ihre Ministerriege am Vormittag mit Experten über die aktuelle und vor allem über die bevorstehende Corona-Lage (Stichwort: Omikron) gesprochen hatte. Die Triererin mahnte trotz der weiter zurückgehenden Sieben-Tages-Inzidenz (am Freitag lag diese landesweit bei 219) weiter zur Vorsicht.

Die Maßnahmen wirkten, sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) mit Hinblick auf die leicht zurückgehenden Infektionszahlen. Aber auf den Intensivstationen des Landes kämpften aktuell 173 Covid-Patienten um ihr Leben. Die Hospitalisierungsrate, die den Anteil der Corona-Patienten in den Kliniken angibt, betrage 4,34. Rheinland-Pfalz liege damit unter dem Bundesdurchschnitt. „Das ist für uns jedoch kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen, denn die vielen Menschen, die in den Einrichtungen schier Übermenschliches unter hoher Belastung leisten, arbeiten seit langer Zeit am Limit“, so Hoch.

Noch immer sei es so, dass vor allem Ungeimpfte schwer erkrankten. Deren Zahl auf den Intensivstationen ließe sich aber reduzieren, mahnte der Minister. „Helfen Sie mit, dass wir das Gesundheitssystem und damit die Mitarbeiter in den Einrichtungen und auf den Stationen endlich entlasten. Lassen Sie sich impfen“, appellierte er erneut an alle, die sich noch nicht für eine Impfung entscheiden konnten.

Wie sehr schützt die Corona-Impfung vor Omikron?

Doch angesichts der sich derzeit in Großbritannien und Dänemark rasant ausbreitenden Omikron-Mutante, die laut dem Mainzer Virologen Bodo Plachter, der zu der Expertenrunde gehörte, in den ersten Wochen des neuen Jahres auch in Deutschland die dominierende Variante sein wird, stellt sich die Frage, ob die Corona-Impfung überhaupt noch gegen Infektionen schützen kann. Eine eindeutige Antwort konnte Plachter darauf allerdings nicht geben.

Erste Studien zeigten, dass bei Omikron der Impfschutz deutlich reduziert sei, aber andererseits biete (vor allem die Booster-Impfung) „in erheblichem Maß“ Schutz vor einem schweren Verlauf und vor Tod durch eine Covid-Erkrankung. „Die neue Omikron-Variante des Coronavirus zeichnet sich offensichtlich durch erhöhte Infektiosität aus. Wie sich dies jedoch auf den Verlauf der Pandemie in Deutschland auswirken wird, lässt sich derzeit noch nicht abschließend bewerten“, sagte Plachter. Fünf bestätigte Omikron-Fälle gibt es derzeit in Rheinland-Pfalz.

Ob die neue Variante tatsächlich gefährlicher als die momentan noch vorherrschende Delta-Variante, also ob sie mehr schwere Verläufe und damit zu einer weiteren Überlastung der Krankenhäuser führe, das könne derzeit noch nicht abschließend gesagt werden.

Dreyer zufrieden mit bisheriger Impfkampagne in Rheinland-Pfalz

Das gilt wohl auch in Bezug auf Kinder. Der Mainzer Kinder- und Jugendmediziner Fred Zepp, der Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) ist, geht nach derzeitigem Stand nicht davon aus, dass Omikron vermehrt zu schweren Erkrankungen bei Kindern führen wird. Die seit Donnerstag in Rheinland-Pfalz verabreichten Corona-Impfungen für Kinder seien sehr sicher. Erste Daten aus den USA, wo schon seit einiger Zeit Kinder gegen Corona geimpft werden, zeigten, dass die schweren Nebenwirkungen sehr selten seien.

Auch wenn die Verbreitung von Omikron in Deutschland nach Ansicht von Plachter nicht mehr gestoppt werden kann (Reisebeschränkungen hätten diesbezüglich nur eine beschränkte Wirkung), sei derzeit noch immer die Delta-Variante das Problem. Gegen diese müsse nun weiterhin angeimpft werden, so der Virologe.

Dreyer zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Impfkampagne im Land. Über eine Million Menschen seien bereits geboostert, fast 30 Prozent der Rheinland-Pfälzer. Der Anteil der Erstimpfungen steigt hingegen langsam. Noch immer seien rund 700.000 Erwachsene im Land nicht geimpft. Das Impfen der Kinder sei bei der Impfkampagne nur ein Mosaikstein, sagte Hoch. Die Kinderimpfungen könnten nicht die noch fehlenden Impfungen bei den Erwachsenen ersetzen.