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Corona, Quarantäne-Pflicht bleibt: Ärzte sauer wegen Lauterbach-Politik

Corona : Quarantänepflicht bleibt doch - Ärzte sauer wegen Lauterbachs Schlingerkurs

Bundesgesundheitsminister kassiert eigenen Beschluss. In Rheinland-Pfalz gibt es allerdings seit Januar keine Quarantäne-Anordnung mehr. Kontrollen finden auch kaum noch statt.

Rolle rückwärts von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD): Die zum 1. Mai geplante freiwillige Isolation von Corona-Infizierten wird nicht kommen. Lauterbach hatte das am Dienstagabend im ZDF in der Talkshow Lanz angekündigt. Er habe einen Fehler gemacht, sagte der Minister. Am Montag hatte er noch verkündet, dass künftig die Isolation nach Corona-Infektion nicht mehr durch die Gesundheitsämter angeordnet werden soll. Damit sollten die Ämter entlastet werden.

Lauterbachs Hin und Her bei der Isolationspflicht sorgt für Kritik

In Gesundheitsämtern in der Region reagierte man verwundert auf Lauterbachs Hin und Her bei der Isolationspflicht. In Rheinland-Pfalz sei die Isolation bereits seit längerem in die Eigenverantwortung der Infizierten gestellt, sagt die Sprecherin der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich. Eine Anordnung der Gesundheitsämter gibt es laut entsprechender Landesverordnung bereits seit Ende Januar nicht mehr. Es besteht allerdings die gesetzliche Pflicht, dass jeder „Covid 19-Krankheitsverdächtige“ sich unverzüglich in Absonderung begeben müssen. Daher bedeute das Beibehalten der Isolationspflicht keine Mehrbelastung der Gesundheitsämter, sagt die Kreissprecherin. Eine Kontrolle, ob sich die Betroffenen an die Quarantäne halten, erfolgt aber, falls überhaupt, nur stichprobenartig per Telefon, heißt es von den Gesundheitsämtern. Man vertraue auf „die Einsichts- und Vernunftfähigkeit“, sagt eine Sprecherin der Kreisverwaltung Vulkaneifel. Nun befürchten die Gesundheitsämter allerdings, dass Lauterbach darauf bestehen könnte, dass die Gesundheitsämter die Isolation wieder anordnen müssen.

Enttäuscht über Lauterbachs Schlingerkurs zeigt sich Heidi Weber, Ärztin in Bitburg und Vize-Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes. „An einem Tag etwas ankündigen und zwei Tage später einfach sagen: ‚Entschuldigung, das war falsch.‘ Durch solches Verhalten leidet das Vertrauen zu ihm schon sehr“, sagt sie im Interview mit unserer Redaktion. Lauterbach befeuer damit die „Verunsicherung im Umgang mit dem Coronavirus“.

Ärzte begrüßen, dass Quarantäne-Pflicht bei Corona-Infektion bleibt

Zufrieden, dass die Isolationspflicht bleiben soll, zeigt sich der Präsident der Landesärztekammer, Günther Matheis. „Die Inzidenzen sind nach wie vor viel zu hoch, um eine solche Freigabe verantworten zu können.“ Allerdings: „Für die Bevölkerung ist dieses Hin und Her allerdings nur schwer nachvollziehbar und das stiftet Verwirrung, die nicht hilfreich sein wird“, sagt Matheis. Auch der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch übt Kritik. Man habe sich gemeinsam im Kreis der Gesundheitsminister einvernehmlich darauf verständigt, dass ab 1. Mai die Isolationspflicht wegfalle. „Die Gesundheitsministerkonferenz wird das Thema aber nun erneut erörtern“, sagte Hoch zur Kehrtwende von Lauterbach. Wie der Ausgang dieser Abstimmung sein wird, bleibe abzuwarten.