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Corona-Tests sollen kostenpflichtig werden - Ab wann und was das kostet

Debatte : Sollen Ungeimpfte bald selbst für Corona-Tests zahlen – und wieviel?

Die Politik lehnt sich in der Frage inzwischen weiter aus dem Fenster. Eine Entscheidung bahnt sich schon bald an. Ein Experte aus Trier fordert, Nicht-Geimpfte zur Kasse zu bitten und nennt Summen.

Der Ärztekammer-Chef von Rheinland-Pfalz spricht sich dafür aus, Corona-Tests für Ungeimpfte bereits in einigen Wochen kostenpflichtig zu machen. Der Trierer Günther Matheis sagte unserer Zeitung: „Wenn alles ausgeschöpft ist und wir jedem ein Impfangebot gemacht haben, muss man dazu übergehen, den Leuten zu sagen: Ihr könnt ungeimpft mit einem negativen Corona-Test zwar alles machen, ab jetzt kostet es aber Geld.“

Ein Selbsttest aus der Drogerie reiche aber nicht aus, es brauche einen Test einer autorisierten Stelle wie einer Apotheke. Ein Schnelltest koste dort dann 15 bis 20 Euro, ein PCR-Test 60 Euro, rechnet Matheis vor. Um erneute Lockdowns zu verhindern, fordert der Trierer mit Blick auf steigende Infektionszahlen im Herbst auch, dass Restaurants und Bars die Testpflicht weiter kontrollieren müssten. Wer dies ignoriere, solle weiter Konsequenzen befürchten müsse, sagt Matheis.

Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz bleibt reserviert. „Die Bundesregierung hat die Durchführung der Bürgertests bis zum Ende des Jahres verlängert. Angesichts der hohen Dynamik in der Pandemie-Bekämpfung ist es aktuell zu früh, über eine mögliche Ablösung des Projekts „Testen für alle“ zu diskutieren“, sagt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Minister Clemens Hoch (SPD) sagt, er setze auf Erfolge der Impfkampagne: „Seit heute besteht in Rheinland-Pfalz die Möglichkeit, ohne vorherige Anmeldung bei einem Impfzentrum vorbeizuschauen und eine Impfung zu erhalten. Auch touren sechs Impfbusse durch Rheinland-Pfalz und bieten unbürokratische Impfungen auf Supermarkt-Parkplätzen an. Die Kommunen setzen mobile Teams ein, um in Stadtteilen Impfangebote vor Ort zu machen. Jede und jeder kann somit jetzt ein Impfangebot erhalten“, so der Sozialdemokrat.

Und doch bahnt sich in der Frage, ob Nicht-Geimpfte künftig für ihren Corona-Test zahlen müssen, schon bald eine Entscheidung an. Das Thema soll bei der Bund-Länder-Konferenz am 10. August auf den Tisch kommen. Die stellvertretende Bundesregierungssprecherin Ulrike Demmer sagte laut dpa in Berlin, dass Schnelltests „ganz sicher nicht über Nacht plötzlich kostenpflichtig“ werden, sondern noch eine ganz Weile kostenlos bleiben sollten. Aus Fairnessgründen solle erst allen Menschen die Chance gegeben werden, sich mit dem gebotenen Abstand zweimal impfen zu lassen und die dann vorgesehenen 14 Tage zusätzlich einhalten zu können, nach denen der Impfschutz als vollständig gilt.

Nach der aktuell gültigen Testverordnung des Bundes werden Corona-Schnelltests mit 11,50 Euro vergütet. Auch das könnte eine Summe sein, die auf Ungeimpfte zukommt, falls sie irgendwann für den Corona-Test selbst in die Tasche greifen müssen.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hatte sich dafür ausgesprochen, dass der Staat ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr Tests von Ungeimpften zahlt. CSU-Bundesinnenminister Horst Seehofer lehnte das in einem Interview mit der „Mittelbayerischen Zeitung“ ab. Darin warnte er: „Was glauben Sie, wie viele Leute den Test nicht mehr machen oder machen können, wenn er nicht kostenfrei ist? Damit könnte ein verstecktes Infektionsgeschehen stattfinden.“