Cyber-Bunker in Traben-Trarbach: Wer trägt die Verantwortung für den Verkauf?

Kostenpflichtiger Inhalt: Kriminalität : Cyber-Bunker-Skandal im Mosel-Idyll: Mehr Details und neue Vorwürfe

Trotz Warnungen hat der deutsche Staat einen Bundeswehrbunker an mutmaßliche Kriminelle verkauft. Es zeigt sich: Selbst das Verteidigungsministerium war involviert.

Warnungen, dass es sich beim Käufer um einen Kriminellen handeln könnte, gab es vorab genügend. Wie konnte es also überhaupt so weit kommen, dass der deutsche Staat den ehemaligen Bundeswehrbunker in Traben-Trarbach an Herman-Johan X. verkaufte – einen Niederländer, der Verbrechern daraufhin jahrelang eine geschützte Spielwiese im Darknet zur Verfügung stellen konnte?

Als Deutschlands größten Schlag gegen die Cyberkriminalität bezeichneten die Ermittler es, dass sie Ende September sieben Verdächtige festnehmen und in den Bunker eindringen konnten (der TV berichtete am 27. und 28. September). In den 500 Räumen des fünf Stockwerke tiefen ehemaligen meteorologischen Rechenzentrums fanden sich neben großen Mengen Bargeld laut Landeskriminalamt 200 Server, die Kriminelle für ihre Aktivitäten im Darknet nutzten: Sie verbreiteten Kinderpornografie, verkauften illegale Waffen, gefälschte Drogen oder gestohlene Daten. Alleine 250 000 Drogengeschäfte sollen über die Plattform abgewickelt worden sein.

Bereits 2002 war Herman-Johan X., der den Bunker nach TV-Informationen für 350 000 Euro erwarb, in den Niederlanden in die Schlagzeilen geraten. In einem Datenzentrum, das er in einem Atombunker bei Goes in der Provinz Zeeland eingerichtet hatte, entdeckte die Feuerwehr Medienberichten zufolge beim Löschen eines Brandes ein Drogenlabor. Es fehlten allerdings Beweise, dass X. damit zu tun hatte.

Auch der TV berichtete 2013, als der Traben-Trarbacher Schutzbau den Besitzer wechselte, dass es sich bei „dem unbekannten Niederländer um den früheren Eigentümer des Unternehmens CyberBunker“ handeln könne, das nach eigenen Angaben jede Art von Kundengeschäft akzeptiere außer Kinderpornografie und Terrorismus. Auch mit Hackerangriffen wurde die Firma damals bereits in Verbindung gebracht. Warum also hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) diesem Mann überhaupt ein Objekt verkauft, das sich doch so offensichtlich für kriminelle Machenschaften eignet?

Die Behörde antwortet folgendes: „Die Bima hatte sich im Vorfeld des Verkaufs im Jahr 2013 mit dem Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz als zuständiger Sicherheitsbehörde abgestimmt.“ Dieser hätten jedoch damals keine Erkenntnisse vorgelegen, die es gerechtfertigt hätten, X. vom Kaufverfahren auszuschließen.

Aber hat das LKA den Mann denn überhaupt geprüft und – wenn ja – wie gründlich? Die Antwort: Das LKA habe 2013 alle von der Verbandsgemeindeverwaltung übermittelten Daten geprüft. „Konkrete Anhaltspunkte zur Einleitung eines Strafverfahrens bestanden zu diesem Zeitpunkt nicht.“ Dennoch habe sich das LKA „aufgrund der aus dem In- und Ausland erlangten Erkenntnisse“ dazu veranlasst gesehen, die Bima „über die vorliegenden Hinweise“ zu informieren: Es sei nicht auszuschließen, dass der Käufer den Standort für ein Rechenzentrum zur Begehung von Straftaten im Internet nutzen könnte.

Aus einer Pressemitteilung des Bundestagsabgeordneten Peter Bleser (CDU) vom August 2012 geht hervor, dass alle Beteiligten es extrem eilig hatten mit dem Verkauf. Selbst das Bundesverteidigungsministerium wurde involviert. Explizites Ziel war eine „warme“ Übergabe des Schutzbaus mit vorhandener IT-Infrastruktur „ohne viel Umstände einsatz- und betriebsfähig an den Nachfolger“.

Aktuell sind die Ermittler weiter vor Ort beschäftigt. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz geht davon aus, dass der Bunker beschlagnahmt wird und die Auswertung der Server weitere Verfahren nach sich zieht. Bisher haben sich die Beschuldigten nicht geäußert.

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