1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

"Dann schicken wir die Pendler zurück"

"Dann schicken wir die Pendler zurück"

Der luxemburgische Arbeitsminister Francois Biltgen ist sauer auf Deutschland und die Angriffen auf das Bankgeheimnis des Großherzogtums: Wenn der Finanzplatz Luxemburg austrocknen wolle, würde er die deutschen Pendler zurückschicken, sagte er in Bitburg.

Bitburg. (wie) Die luxemburgische Regierung ist angefressen. Die Angriffe unter anderem von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) auf das Bankgeheimnis im Großherzogtum rufen barsche Reaktionen bei Ministern des Nachbarlandes hervor. Erst tobte Luxemburgs Premier Jean-Claude Junker im französischen Fernsehen (der TV berichtete).

Nun legte sein Arbeitsminister Francois Biltgen nach. Er sei erschrocken, dass man in Paris und Berlin Luxemburg als Schurkenstaat hinstelle, sagte Biltgen gestern in Bitburg anlässlich der Eröffnung eines Büros des christlichen luxemburgischen Gewerkschaftsbundes LCGB in der Eifelstadt. "Das ist billige Polemik."

Luxemburg und sein Bankgeheimnis seien nicht Schuld an der Finanzkrise, das Großherzogtum sei wie andere Staaten auch davon betroffen.

Er werde seinem deutschen Kollegen Olaf Scholz deutlich machen, wenn man vorhabe, Luxemburg auszutrocknen, dann werde er die über 30 000 deutschen Grenzgänger zurückschicken, ereiferte sich Biltgen.

"Wenn die Luxemburger Wirtschaft einstürzt, hätte das riesige Probleme für die Großregion", warnte der Arbeitsminister. Man werde auch weiterhin neue Arbeitsplätze in Luxemburg schaffen, sagte Biltgen unserer Zeitung. Daher habe ein Konjunkturprogramm aufgelegt, und trotz Finanzkrise wolle man wie angekündigt die Steuern senken.

Vorerst sieht er die Luxemburger Wirtschaft stabilisiert, der Standort Luxemburg sei nicht in Gefahr, nicht zuletzt durch das milliardenschwere Rettungspaket für die angeschlagenen Banken Fortis und Dexia.

Ohne den staatlichen Rettungsanker hätte Luxemburg das gleiche Schicksal wie Island, das aufgrund der Finanzkrise kurz vor dem Staatsbankrott steht, gedroht, sagte LCGB-Präsident Robert Weber. Die Luxemburger Wirtschaft sie auf die Grenzgänger angewiesen sei: "Wir leben von ihnen." Von den deutschen Gewerkschaften forderte er mehr Mut beim Thema Mindestlohn.