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Das Aus des unbequemen Sanierers

Das Aus des unbequemen Sanierers

Die Zeit von Flughafenchef Heinz Rethage am Hahn ist vorzeitig abgelaufen. Er muss gehen. Der unbequeme Manager hat sich mit so vielen Menschen überworfen, dass er und das Land gestern die Konsequenzen gezogen haben.

Aus und vorbei. Von einem Tag auf den anderen. Nicht einmal zur Pressekonferenz nach der mehrstündigen Aufsichtsratssitzung, bei der sein sofortiger Abschied verkündet wird, kommt Heinz Rethage (64) gestern Abend noch. Vermutlich will er das auch gar nicht. Innenminister Roger Lewentz (SPD) verliest ein Statement des Sanierers.

Demzufolge scheide der Geschäftsführer aus dessen Sicht "aufgrund der innerbetrieblichen Situation" aus. Und weil er "keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat mehr für möglich" halte. Nach offizieller Lesart habe sich der Hahn-Chef dazu entschlossen, das zuvor schon zweimal, zuletzt Anfang des Jahres, vom Minister unterbreitete Angebot diesmal anzunehmen. Er werde im Innenministerium Sonderaufgaben wahrnehmen und unter anderem dem Flughafen "für einzelne Projekte zur Verfügung stehen".

Nur eine Aufgabe auf Zeit

Minister Lewentz lobt, Rethage sei "seine Aufgabe mit viel Durchsetzungskraft und Engagement erfolgreich angegangen". Dass er "durchaus unbequem" sei, sei bekannt und "mit ein Grund dafür" gewesen, ihn an den Hahn zu holen. Rethages Sanierungskonzept habe erhebliche Effizienzpotenziale am Flughafen aufgezeigt. Es sei bereits teilweise in der Umsetzung und habe "greifbare Ergebnisse" gebracht.

Lewentz betont, Rethages Aufgabe sei "von Anfang an auf Zeit angelegt gewesen". Diese Zeit sei nun abgelaufen. Der Aufsichtsrat wollte gestern über die Vorwürfe, die gegen den Manager im Raum standen, diskutieren. Unter anderem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Bespitzelung des Betriebsrats. Doch dazu kam es gar nicht. Lapidare Erklärung von Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro (SPD): "Die Gesellschafterversammlung hatte schon eine Lösung gefunden." Gesellschafter sind Rheinland-Pfalz (82,5 Prozent) und Hessen (17,5 Prozent).

Vorerst ist nun Markus Bunk, der zweite Geschäftsführer, alleiniger starker Mann am Hahn. Seine großen Aufgaben neben der Umsetzung der internen Sparmaßnahmen: die EU-Flughafenleitlinien umsetzen, das Neugeschäft beleben und Kunden werben, nicht betriebsnotwendige Immobilien am Flughafen veräußern. Auf die Frage, ob er das alles alleine schaffe, antwortet Bunk: "Ich muss mir darüber Gedanken machen und werde den Aufsichtsrat informieren, was es aus meiner Sicht dazu braucht."

An einer Stelle bekommt Bunk Hilfe: Hansgünter Oberrecht, von 1999 bis 2011 Präsident der Wirtschaftsprüferkammer Rheinland-Pfalz und seit kurzem Aufsichtsratsvize am Hahn, erhält erweiterte Zuständigkeiten. Er soll Ansprechpartner für Beschwerden und mögliche Missstände im Unternehmen werden.

Oberrecht hält es für "dringend erforderlich", den Betriebsfrieden wieder herzustellen. Er will eine Mediation starten, um verfeindete Gruppen innerhalb der Belegschaft miteinander zu versöhnen. Damit dürfte er den Nerv der SPD-Landtagsfraktion treffen. Deren dringlichster Wunsch lautet: Ruhe am Flughafen.
Meinung

SPD-Spitze zieht die Reißleine

Von Frank Giarra

Wenn eine Negativschlagzeile die nächste jagt, werden Politiker nervös. So rumort es in der SPD-Landtagsfraktion ob der Ereignisse am Flughafen Hahn seit geraumer Zeit. Die Genossen werden froh sein, dass die Parteispitze die Reißleine gezogen und Geschäftsführer Heinz Rethage auf einen bequemen Posten in einem Hinterstübchen des Innenministeriums bugsiert hat, wo er aus ihrer Sicht keinen Schaden anrichten kann.
Alles in allem ist die Trennung von Rethage richtig. Trotz der lobenswerten Leistungen, die Ausdruck in einem Sanierungsplan und in von ihm angestoßenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gefunden haben, hinterlässt der geschasste Manager eine Baustelle am Hahn. Er hat das wichtigste Kapital jedes Unternehmens, die Mitarbeiter, vergessen. Anstatt diese mitzunehmen, hat er mit seiner rüden Art das Betriebsklima zerstört.
Zwei Dinge sind jetzt wichtig: Die Sanierung muss konsequent weitergehen. Die Aufklärung diverser Vorgänge in der Vergangenheit ebenfalls. Für Letzeres ist aber die Staatsanwaltschaft zuständig - und nicht ein selbst ernannter Aufklärer wie Heinz Rethage.
f.giarra@volksfreund.de
Extra: Wirtschaftliche Lage am Hahn

Trotz sinkender Passagier- und Frachtzahlen hat sich nach Informationen unserer Zeitung die geschäftliche Lage am Hunsrück-Flughafen Hahn zuletzt stabilisiert. Bis Ende März flogen zwar nur noch 403.000 Fluggäste vom Hahn - das sind 29 000 weniger als im Vorjahr. Und das Frachtaufkommen sank um mehr als ein Drittel auf 29 500 Tonnen.

Laut einer dem Volksfreund vorliegenden Gewinn- und Verlustrechnung von Januar bis März fällt das Ergebnis dennoch um 1,375 Millionen Euro besser aus als prognostiziert.

Im ersten Quartal ist ein Verlust von 5,375 Millionen Euro entstanden. Kalkuliert worden war mit einem Minus von 6,75 Millionen Euro.

Das verbesserte Ergebnis ist vor allem auf niedrigere Materialkosten aufgrund des milden Winters sowie auf leicht höhere Parkeinnahmen zurückzuführen. fcg