Das große Rad hat ausgedreht

Das große Rad hat ausgedreht

TRIER. Die Region Trier ganz aufgeben: Das will niemand aus dem Kreis der Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft. Aber zur Frage, wo künftig die Musik spielen soll, sind die Auffassungen durchaus unterschiedlich.

"Unser Ziel kann doch nicht sein, dass alles auseinanderdriftet." Oberbürgermeister Helmut Schröer kann sich leisten, Klartext zu reden - er ist nur noch ein paar Wochen im Amt. Die Region Trier müsse eine "strukturierte Einheit" bleiben, sagt das Trierer Stadtoberhaupt. Will wohl heißen: ein gemeinsames Dach, unter dem teilregionale Eigenständigkeit in definierten Bereichen möglich ist. 70 Kilometer weiter nördlich, bei den Landräten der beiden frisch gebackenen Eifelkreise, klingt das etwas anders. "Es gibt nicht immer kongruente Ziele", sagt der Dauner Landrat Heinz Onnertz, der es "reizvoll" findet, "die Eifel eigenständig zu profilieren". "Die Eifel hat wenig mit dem Hunsrück zu tun"

Es gebe halt unterschiedliche Teilregionen, "das habe ich nicht gemacht, das ist nun mal so", ergänzt sein Bitburger Kollege Roger Graef. Die Eifel habe "eben wenig mit dem Hunsrück zu tun". Was den beiden Landräten offenkundig vorschwebt, sind eigenständige Teilregionen, die, wo es sinnvoll scheint, auf Ebene der Region Trier bei konkreten Einzelthemen gemeinsam vorgehen. Das hat nichts mit Separatismus zu tun. Es geht um eine sachliche Auseinandersetzung über die Frage, wo die beileibe nicht unbeschränkten Ressourcen für Regionalentwicklung angesiedelt werden. Graef will dabei jeglichen strukturellen Überbau so klein wie möglich halten. "Keine neuen Organisationen", lautet sein Credo. Nicht zuletzt daran scheiterte der Aufbau einer groß angelegten Kultur-Agentur bei der Initiative Region Trier (IRT). Die backt inzwischen deutlich kleinere Brötchen. "Wir könnten die Schlagkraft der IRT vom Personal und von der Power her durchaus verbessern", sagt der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz. Schließlich sei die Initiative "im Moment der einzige Transmissionsriemen, den wir haben". Sein Amtsvorgänger Richard Groß, der im vergangenen Jahr den IRT-Vorsitz übernommen hat, arbeitet intensiv am Erhalt einer auch organisatorisch handlungsfähigen Regional-Instanz. "Die Dachmarken Mosel und Eifel können das nicht ersetzen", ist sich Groß sicher, "wir brauchen einen permanenten Prozess der Koordination auf der Ebene der Gesamtregion." Was natürlich auch heißt: Mit einer entsprechenden Institution IRT."Schon zu viele Akteure am Markt"

Das sieht der neue Präsident der Industrie- und Handelskammer, Peter Adrian, skeptischer. Er warnt vor Strukturen, "deren Unterhalt so viel Aufwand verursacht, dass nichts mehr für die praktische Arbeit übrig bleibt". Ihm sind ohnehin schon zu viele Akteure am Markt: "Aufgrund der Vielfalt von Gremien besteht die Gefahr, dass die Ideen verpuffen." So richtig vorangekommen sei die IRT in den vergangenen Jahren nicht. Sie müsse sich verstärkt "ein eigenes Profil erarbeiten". Da sei man bereits mittendrin, glaubt wiederum Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Hans-Hermann Kocks. Er verweist auf die 180 000 Euro, die die IRT in diesem Jahr zwecks überregionaler Werbung für die großen Events in der - laut Slogan - "KulturGenussRegion Trier" ausgibt. "Niemand außer der IRT hätte die Kraft oder Möglichkeit, so etwas zu machen" sagt Kocks. Derweil macht sich die Mosel unter Ägide der Bernkastel-Wittlicher Landrätin Beate Läsch-Weber auf, mit neuer Dachmarke überregional für das - laut Slogan - "WeinKulturLand Mosel" zu werben. Kollisionen nicht ausgeschlossen. Zumal Läsch-Weber damit rechnet, dass sich die Tourismus-Organisationen Eifel, Mosel und Hunsrück "zu Regionalagenturen weiterentwickeln". Plädoyer für kleine, praktische Schritte

Was bleibt dann noch für die alte Region Trier? Einiges, befindet die Landrätin. Verkehr, Abfall, Windkraft nennt sie als Beispiele. Da müsse man "eine Art von Koordination schaffen" über das regionale Entwicklungskonzept, das derzeit erarbeitet wird. Dabei plädiert sie, ähnlich wie ihre Eifeler Kollegen, dafür, "kleine, praktische Schritte zu gehen, statt das große Rad zu drehen". Ob diese Bescheidung den IRT-Aktivisten ausreicht, ist noch nicht ausgemacht. Sie werden versuchen, so viele konkrete Aufgaben und Projekte wie möglich auf ihrer Ebene zu verankern. Die Skeptiker werden bremsen, so gut sie können. "Man merkt, dass es gärt", sagt Landrat Onnertz, "wir stehen am Anfang einer sehr interessanten Zeit."