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"Das hättest du dem Kind ersparen können"

"Das hättest du dem Kind ersparen können"

TRIER. Mit dem Zeugenauftritt des elfjährigen Sohnes ist der Mordprozess gegen einen Mann aus Nittel (Kreis Trier-Saarburg) fortgesetzt worden. Der 45-Jährige soll Anfang November seine Ehefrau getötet haben.

Vier Minuten lang ist es mucksmäuschenstill im alten Schwurgerichtssaal. So lange benötigt der elfjährige Sohn des Angeklagten, um mit seinen beiden Begleitern vom Justizgebäude auf der anderen Seite über die Straße in den Gerichtssaal zu kommen. Der Junge war im Haus, als sein Vater Anfang November in der Garage die Mutter erst vergewaltigt und dann bewusstlos geschlagen haben soll. Hat der mittlerweile bei Verwandten in Nittel untergebrachte Schüler womöglich etwas mitbekommen von dem blutigen Zwischenfall? Oder kann er seinen Vater, der sagt, er sei unschuldig, vielleicht sogar entlasten? Thomas B.s Verteidiger Otmar Schaffarczyk hat den Elfjährigen jedenfalls für diesen Tag als Zeugen geladen. Zum Unmut einiger Zuschauer, wie sich kurz darauf herausstellen soll. Man könnte eine Stecknadel fallen hören, als der Junge mit seinen beiden Begleitern den Saal betritt und auf dem Zeugenstuhl Platz nimmt. Er schaut nur einmal flüchtig nach links, wo sein an den Füßen gefesselter Vater zwischen seinen beiden Anwälten sitzt. Thomas B. lächelt kurz, doch da blickt sein Sohn schon wieder nach vorne zu Chef-Richterin Irmtrud Finkelgruen. Was mag in dem Jungen in diesem Augenblick wohl vorgehen? "Weißt du, was ein Zeuge ist", fragt die Richterin, und der Schüler schüttelt den Kopf: "Keine Ahnung." Finkelgruen erklärt es ihm mit einfach Worten und sagt ihm auch, dass er schweigen dürfe als Sohn des Angeklagten: "Möchtest du etwas sagen?" "Nein", antwortet der Junge und darf mit seinen beiden Begleitern auch schon wieder gehen. Zu seinem Vater schaut der Elfjährige nicht mehr hin, als das Trio den Gerichtssaal verlässt. "Dass hättest du deinem Kind ersparen können. Das ist eine Frechheit", sagen mehrere Zuhörer in Richtung des Angeklagten; so laut, dass es auch die etliche Meter entfernt sitzende Richterin hören kann. Irmtrud Finkelgruen reagiert unwirsch, weist die Störenfriede in die Schranken: "Das ist das Recht des Angeklagten und bedarf keines Kommentars." Nach nur etwas mehr als einer Stunde ist der zwölfte Verhandlungstag nach einer Marathonsitzung am Vortag auch schon zu Ende. Eigentlich sollte an diesem Donnerstag das Urteil gegen Thomas B. fallen. Es wird sich um eine Woche verzögern. Der Prozess wird am Dienstagmorgen mit dem psychiatrischen Gutachten fortgesetzt.