"Das kann sich schnell ändern"
Frohe Botschaft fürs Bistum Trier: Deutschlands älteste Diözese ist aus den roten Zahlen raus. Kein Ergebnis des vor vier Jahren verabschiedeten Spar-Pakets, sondern der guten wirtschaftlichen Lage. Dank mehr Jobs fließt auch mehr Kirchensteuer.
Trier. Der scheidende Bischof von Trier, Reinhard Marx, kann zufrieden sein: Finanziell hinterlässt der 54-Jährige seinem Nachfolger ein geordnetes Haus. Geht die Rechnung auf, nimmt das Bistum in diesem Jahr rund 254 Millionen Euro Kirchensteuer ein und damit sechs Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Dabei war schon 2007 so recht nach dem Geschmack des bischöflichen Chef-Kämmerers Bernd Franken. Durch die anziehende Konjunktur mit weniger Arbeitslosen und mehr Beschäftigten nahm das Bistum im letzten Jahr etliche Millionen mehr Kirchensteuern ein als geplant. So weisen der letztjährige und auch der 2008er Bistumshaushalt satte Überschüsse aus. Für Georg Holkenbrink, den Ständigen Vertreter des Bischofs, allerdings kein Grund, das vor vier Jahren geschnürte Spar-Paket jetzt zu lockern. "Die gegenwärtig guten wirtschaftlichen Daten können sich schnell wieder ändern", dämpfte Holkenbrink am Freitag mögliche Erwartungen. Bereits jetzt gingen die Experten von einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur aus.An den bischöflichen Sparbeschlüssen (minus 30 Millionen Euro jährlich) will der Verwaltungschef des Bistums daher nicht rütteln lassen. Im Gegenteil: "Wir müssen uns mittel- und langfristige Wege zur Erhaltung unserer finanziellen Spielräume überlegen." Was das konkret bedeuten könnte, ließ Holkenbrink noch offen.Größter Ausgabenposten des Bistums ist mit 215 Millionen Euro das Personal. Davon werden in diesem Jahr 2413 Beschäftigte bezahlt - 16 mehr als im Vorjahr. Dass diese Zahl in den nächsten Jahren allerdings wieder sinken wird, ist ausgemachte Sache. Im Personalbereich seien "Anpassungen" (Holkenbrink) nur sehr langsam möglich, sagt der Bischofs-Vertreter.Bei den Investitionen legt das Bistum nach Angaben der Verantwortlichen in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf den Bereich Schule und Bildung. Das jährliche Budget hierfür wurde um 2,8 Millionen auf fünf Millionen Euro erhöht. Auch die Kirchengemeinden sollen für Baumaßnahmen 1,9 Millionen Euro mehr bekommen als im Vorjahr. Zudem erhalten sie wegen der immens gestiegenen Energie-Preise einen Sonderzuschuss in Höhe von 1,2 Millionen Euro.Knapp zwei Millionen Euro steckt das Bistum in die nach dem ehemaligen Trierer Bischof benannte neue "Bischof-Stein-Stiftung". Mit den Erträgen sollen kleinere katholische Stiftungen unterstützt werden.Zufrieden mit seinem letzten Haushaltsplan schien am Freitag auch Finanz-Direktor Bernd Franken. Wie sein Bischof wechselt er den Job. Ein doppelter Aderlass für Deutschlands älteste Diözese.