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Das Leiden des Opfers geht weiter

Das Leiden des Opfers geht weiter

Ein 68-Jähriger aus Konz hat vor dem Landgericht gestanden, einen Sechsjährigen missbraucht zu haben. Ein Urteil ist noch nicht gefallen, die Staatsanwaltschaft ermittelt noch in einem anderen Fall gegen ihn.

Trier. Die Eltern leiden. Es fällt ihnen sichtlich schwer, sich anzuhören, was im Juli vergangenen Jahres ihrem sechsjährigen Sohn angetan worden ist. Zum ersten Mal sitzen sie dem Mann gegenüber, der den Sechsjährigen missbraucht hat. Ein unauffällig wirkender Rentner im knitterigen, grauen Anzug, der sich im Ruhrpott-Dialekt manchmal unerträglich ausführlich und flapsig in Nebensächlichkeiten verliert. Während der gesamten, rund 30-minütigen Vernehmung des Angeklagten hält der Vater des Jungen die zusammengefalteten Hände vors Gesicht. Seine Frau schüttelt fassungslos den Kopf.

Der gelernte Maler und Lackierer, der zuletzt 18 Jahre bei der Müllabfuhr gearbeitet hat, gibt zu, den Jungen im Juli vergangenen Jahres in der Nähe des Campingplatzes Igel (Trier-Saarburg) in einem Gebüsch missbraucht zu haben. Gericht, Staatsanwaltschaft, der Anwalt der Eltern und der Verteidiger des Mannes hatten sich vor Beginn der Verhandlung geeinigt, ein Geständnis könne eventuell die Strafe mildern (bis zu 15 Jahre Haft drohen in Fällen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern). Außerdem bleibt so dem Jungen der schwere Gang in den Gerichtssaal erspart.

DNA-Analyse überführt Täter



Doch es dauert, bis der 68-Jährige, der zwei gescheiterte Ehen hinter sich hat und Vater von zwei erwachsenen Kindern ist, alles einräumt. Erst als Richter Albrecht Keimburg ihn mit dem Ergebnis einer DNA-Analyse, die nach der Tat gemacht wurde, konfrontiert, legt der Mann, der zuletzt in Konz gelebt hat, ein volles Geständnis ab. Die Mutter des Jungen kämpft währenddessen mit den Tränen. Als er den Jungen auf der Bank am Moselufer unweit des Campingplatzes angesprochen habe, habe er noch keine Absicht gehabt, sich an ihm zu vergehen. "Plötzlich ist es über mich gekommen. Mein Gehirn muss ausgeschaltet haben", sagt er. Und, dass er viel getrunken habe an diesem Tag. Den Jungen hat er in den selbst gebastelten Anhänger seines Fahrrads gesetzt und ist mit ihm in das einen Kilometer entfernte Gebüsch gefahren. Währenddessen haben die Großeltern den Sechsjährigen verzweifelt gesucht. Zusammen mit seiner großen Schwester sollte er die letzte Woche der großen Ferien im Wohnwagen der Großeltern auf dem Campingplatz verbringen. Noch heute leide der Junge, sei längst nicht mehr so unbefangen und fröhlich wie vorher, sei seitdem in Behandlung, berichtet seine Mutter.

Es sei das erste Mal, dass er "so etwas" gemacht habe, sagt der 68-Jährige. Die Staatsanwaltschaft zweifelt daran. Kurz vor Prozessbeginn hat es eine Anzeige gegen ihn gegeben, er soll einen Jungen missbraucht haben. Der Mann streitet dies ab. Richter Keimburg will die Ermittlungen abwarten, bevor ein Urteil fällt.