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"Das meiste Bargeld liegt in der Kaffeekasse"

"Das meiste Bargeld liegt in der Kaffeekasse"

Während die Bundesregierung noch diskutiert, ob sie die Abwrack-Prämie aufstockt, können sich die ersten 600 000 Verbraucher, die ihren alten PKW gegen einen Neuwagen eintauschen, auf Post aus Trier freuen. Die Bundeskasse in Trier zahlt nämlich die 1,5 Milliarden Euro an Prämie aus.

Trier. "Für uns bedeutet das keinen Stress. Das ist Tagesgeschäft", sagt die Kassenleiterin der Bundeskasse in Trier, Ute Albrecht. In diesen Tagen sind die ersten Zahlungsanweisungen aus Trier hinausgegangen. Während die Verbraucher damit vielleicht die schönste Post des Jahres erhalten, ist das für die rund 210 Mitarbeiter der Bundeskasse keine große Sache.

Die Behörde in Trier, eine von vier Bundeskassen, verbucht pro Jahr rund 50 bis 60 Prozent der Einnahmen und Ausgaben des Bundeshaushaltes. 2007 überwiesen die Trierer Mitarbeiter etwa 168,26 Milliarden Euro Bundesausgaben an entsprechende Stellen und kassierten 152,52 Milliarden Euro ein.

Wer allerdings in der Bundeskasse ein deutsches Fort Knox sieht, wird sich wundern. "Das meiste Bargeld liegt bei uns in der Kaffeekasse", sagt der stellvertretende Kassenleiter Karl-Heinz Himbert.

Die Bundeskasse in Trier trägt die Kassenaufgaben für den Bund in Rheinland-Pfalz, Hessen, NRW und Saarland. Im Prinzip geht damit jeder Euro, den der Bund im Südwesten einnimmt oder ausgibt, über einen Trierer Schreibtisch. Zudem haben die rund 210 Mitarbeiter noch bundesweite Aufgaben, etwa Zölle und Einfuhrumsatzsteuer zu kassieren, wenn ein Zahlungsaufschub mit Unternehmen vereinbart wurde, oder die Gebühren für die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen einzuziehen. Zudem bekommen alle Bundesbediensteten in Deutschland (mit Ausnahme der Bundeswehr) ihr Geld aus Trier. "Dabei laufen rund 85 Prozent des Zahlungsverkehrs vollautomatisch", erklärt Karl-Heinz Himbert. Was Arbeit macht, sind eben die übrigen 15 Prozent.

Anhand der Abwrack-Prämie lässt sich die Arbeit der Bundeskasse gut beschreiben. "Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hat alle Sachfragen rund um die Abwrack-Prämie geklärt und teilt uns mit, wann die Zahlung erfolgen soll", sagt die Chefin der Bundeskasse, Ute Albrecht. Dann erhält die Behörde einzelne Dateien mit Zahlungsanweisungen, die von der Bundeskasse ausgeführt werden. In einer einzigen solchen Datei sind rund 2500 Zahlungsanweisungen zusammengefasst.

Insgesamt laufen in einem Jahr über Trier 5,5 Millionen solcher Datensätze im elektronischen Verfahren ab. Darüber hinaus müssen die Mitarbeiter aber auch noch 980 000 Buchungsbelege "per Hand" eingeben und verarbeiten.

"In den meisten Fällen wird bei der Abwrack-Prämie alles elektronisch verbucht", sagt Karl-Heinz Himbert. Doch in rund vier Prozent rechnen die Experten mit Schwierigkeiten. "Es könnte sein, dass die angegebene Kontonummer nicht mehr stimmt oder sich die Adresse geändert hat." In diesen Fällen beginnt dann die Recherche-Arbeit der Bundeskasse. Kommen die Zahlungsanweisungen zurück, versuchen die Mitarbeiter, den Adressaten ausfindig zu machen, um die Prämie zuzustellen. Vier Prozent, das könnten für die 210 Mitarbeiter rund 25 000 Recherche-Fälle sein.

Hier sieht die Chefin der Bundeskasse die Stärke der Behörde: "Wir wollen Dienstleister für die rund 4000 Auftraggeber sein", sagt Ute Albrecht. Dahinter stehen große Behörden wie Ministerien oder auch die Bundeswehr - aber gelegentlich auch ganz kleine Dienststellen bis hin zu Verbands- oder Ortsgemeinden und in einigen Fällen sogar auch Feuerwehren oder das THW. Sollte die Regierung sich entschließen, die Abwrack-Prämie zu erhöhen, wird das bei der Bundeskasse niemandem schlaflose Nächte bereiten. Dort ist man andere Summen gewöhnt.

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