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Das Potenzial der Sofatouristen: Moselregion verdient rund 1,3 Milliarden Euro mit dem Fremdenverkehr

Das Potenzial der Sofatouristen: Moselregion verdient rund 1,3 Milliarden Euro mit dem Fremdenverkehr

Mosel, Wein, Tourismus: Ein Dreiklang, wie ihn Winzer, Gastronome, Handwerker, Kammern und Politik seit 2006 mit der Dachmarke Mosel in Einklang zu bringen versuchen. Denn gemeinsames Vorgehen im Tourismus hat sich bewährt, wie nicht zuletzt die Dachmarke Eifel seit 2004 zeigt.

Erste Erfolge sind nun auch in den Kassen und Portmonnees der Betriebe und Bewohner von der Mosel zu spüren. Das vor einigen Jahren von Landrat Gregor Eibes kritisierte "verbreitete Kirchturmdenken" scheint weniger verbreitet: Rund 1,3 Milliarden Euro haben die Touristen allein im vergangenen Jahr an der Mosel ausgegeben, als Camper, bei Privatpensionen, in Hotels, als Tagesreisende oder als Besucher von Verwandten und Freunden.

Dies hat die DWIF-Consulting GmbH in München im Auftrag der Industrie- und Handelskammern (IHK) Koblenz und Trier sowie der Mosellandtouristik ermittelt. Ein Wert, der zeigt, dass "Tourismus kein Selbstzweck für wenige Hoteliers ist, sondern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor", sagt Projektleiter Manfred Zeiner bei der Vorstellung seiner Ergebnisse auf dem 11. Moselkongress in Kröv (Kreis Bernkastel-Wittlich).

Denn Zeiner hat erstmals zu den ausgewiesenen Übernachtungszahlen der Statistikämter auch die Tagesurlauber und private Besuchsgäste hinzugerechnet, so dass die Moselregion statt auf 7,2 Millionen sogar auf mehr als 10,1 Millionen Übernachtungen fürs vergangene Jahr kommt.

Diese "Sofatouristen und Tagesgäste sind in der Vergangenheit sehr vernachlässigt worden", sagt Albrecht Eheses von der IHK Trier. Und auch Sabine Winkhaus-Robert von der Mosellandtouristik sieht in diesem Bereich noch "Luft nach oben. Bei 18 Millionen Tagesgästen ist auch beim Umsatz noch Potenzial drin", sagt sie. Denn Tagestouristen geben rund 30 Euro am Tag aus und erzielen so rund 44 Prozent aller Umsätze im Gastgewerbe und Weinhandel, etwa mit "Kofferraumexporten an Wein" (Ansgar Schmitz, Moselwein e.V.). Und immerhin 1,1 Millionen Euro Umsatz im Jahr zusätzlich könnten die Betriebe laut DWIF erzielen, wenn die "Sofatouristen" statt im Gästezimmer in einer Pension oder Ferienwohnung nächtigten.

Ob winterliches Mosel-Musikfestival oder Wein-Arrangements vom Rebenschnitt bis zum Abfüllen: Für Touristiker wie Winkhaus-Robert "müssen die Anbieter noch stärker zusammenarbeiten und sich abstimmen".

Die Hauptprobleme sehen Winzer und Hoteliers wie der Bullayer Christian Schardt und der Traben-Trarbacher Matthias Ganter vor allem in der fehlenden Bereitschaft vieler Betriebe zur Investition. Da zögen weder alle Betriebe noch alle Gemeinden an einem Strang. "Ich bin vor 25 Jahren an die Mosel gekommen. Es gibt Betriebe, die damals wie heute die selben Plastikstühle und Plastiktischdecken haben", kritisiert Ganter vom Hotel Moselschlösschen. Und während Bernkastel-Kues eine eigene Entwicklungsagentur habe und auch Reil und Kröv durch eigenesMarketing vorankämen, habe Traben-Trarbach "nicht mal eine sanierte Moselpromenade". Christian Schardt (Weinhaus Amlinger) ergänzt: "Der Kunde will im Urlaub nicht schlechter leben als daheim."

Dass sich Investitionen lohnen, zeigen die Arbeitsmarktdaten: Zieht man Mehrwert- und Einkommensteuer aus dem Tourismus in Höhe von 118 Millionen Euro fürs Jahr 2016 ab, so haben die Moselgäste mit ihren Ausgaben umgerechnet fast 23.000 Menschen das Haupteinkommen gesichert, Handwerk und Einzelhandel inklusive. "Wir wollen unsere regionale Initiative ausbauen", gibt Gregor Eibes, zugleich auch Vorsitzender der Regionalinitiative Mosel, als Losung aus. Aber man brauche "einen langen Atem. Wir dürfen uns nicht ausruhen".VIER NEUE QUALITÄTSBETRIEBE

Die Dachmarke Mosel hat vier neue Betriebe, allesamt Imker, zertifiziert und in die Riege der insgesamt 102 Qualitätsgastgeber von der Mosel aufgenommen: Egon Müller als Wiltingen, Walter Huwer aus Hetzerath (beide Kreis Trier-Saarburg), Paul Riek aus Zeltingen-Rachtig (Kreis Bernkastel-Wittlich) und Rene Herter aus Moselkern (Kreis Cochem-Zell).