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Das sind die Vor- und Nachteile von Wasserstoff als Energieträger

Kostenpflichtiger Inhalt: Technik : Energieträger der Zukunft? Vor- und Nachteile von Wasserstoff

Autos können damit fahren, Häuser geheizt werden: Geht’s nach der Bundesregierung, soll Deutschland in Sachen H2 bald schon Nummer eins sein in der Welt. Doch die Sache hat einen Haken.

Ein winziges Molekül nährt derzeit große Hoffnungen und elektrisiert Autofans ebenso wie Industrie und Klimaschützer. Es geht um H2, um Wasserstoff. Ein Stoff, in dem immer mehr Menschen den Energieträger der Zukunft sehen. Kann er doch als Speicher für erneuerbare Energien ebenso genutzt werden wie zur Erzeugung von Wärme oder als Kraftstoff für Autos.

Aus Sicht von Gregor Hoogers, Professor für Umwelttechnik in Birkenfeld, hat Wasserstoff für die Mobilität der Zukunft ein enormes Potenzial und zahlreiche Vorteile. Die Reichweiten sind mit bis zu 700 Kilometern deutlich größer als beim batteriebetriebenen Auto. Auch dauert das Tanken nur wenige Minuten. Städter, die keine Möglichkeit haben, ein E-Auto vor der Haustüre zu laden, könnten ebenso von der Technik profitieren wie Speditionen. Bei schweren LKW stößt die Batterietechnik bisher an ihre Grenzen. Mit Wasserstoff hingegen lassen sich auch Siebentonner problemlos antreiben. Und aus dem Auspuff kommt nichts als Wasserdampf. All dies sind Gründe, warum der Solarverein Konz sich aktuell sehr um eine Wasserstofftankstelle für die Region Trier bemüht.

Natürlich hat die Sache auch einen Haken: Derzeit wird Wasserstoff hauptsächlich aus Erdgas hergestellt. Das gehe mit erheblichen CO2-Emissionen einher, sagt Professor Matthias Scherer, Leiter des Studiengangs Elektromobilität an der Hochschule Trier. „Die Technologie macht nur Sinn, wenn man zur Herstellung erneuerbare Energien einsetzt“, sagt Scherer:  Mithilfe von grünem Strom lässt sich Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten.

30 Prozent der Energie gehen laut Scherer dabei verloren. Wenn man statt Gas die Überkapazitäten von Windrädern oder Solaranlagen nutze, sei das aber unproblematisch. Hoogers betont, dass man die Technik an Windparks in der Region problemlos nachrüsten könnte.

Experten sind sich allerdings einig, dass Deutschland nicht genug erneuerbare Energie hat, um Industrie und Verkehr komplett mit „grünem Wasserstoff“ zu versorgen. „Zuallererst bräuchte man einen massiven Ausbau von Windkraft und Fotovoltaik“, betont Scherer. Ein Punkt, der aktuell in Berlin heiß diskutiert wird, wo die Regierung an der nationalen Wasserstoffstrategie feilt, die eigentlich im Dezember veröffentlicht werden sollte. Doch sind die Ministerien sich uneins. Wirtschaftsminister Peter Altmaier will, dass Deutschland beim Wasserstoff Nummer 1 in der Welt wird. H2 sei der Schlüsselrohstoff der Energiewende.

Ähnlich sieht dies Forschungsministerin Anja Karliczek, die grünen Wasserstoff aus Afrika importieren will. Deutschland müsse alles daran setzen, dort vor Staaten wie China zu agieren. Das Umweltministerium hingegen will die Energiewende vor Ort. Man arbeite mit Hochdruck an der Abstimmung, teilt Altmaiers Haus mit. In wenigen Wochen soll die Strategie vorliegen.