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"Das war demütigende Schikane"

"Das war demütigende Schikane"

Im Rahmenprogramm der Ausstellung "Es lebe die Freiheit!" hat der Koblenzer Jurist Joachim Hennig in Trier über die Zeit des Nationalsozialismus referiert. Zu dem Vortrag hatte die AG Frieden eingeladen.

Trier. Joachim Hennig, Jurist und Gedenkarbeiter aus Koblenz, hat bei einem Vortrag in Trier aufgezeigt, wie die Nazis die Jugend umwarben. Aufgabe des Staats und der Partei war es, die Menschen von der Wiege bis zum Grabe in verschiedenen NS-Gliederungen zu organisieren, "mögen sie sich auch dagegen wehren", so Robert Ley, Führer der Deutschen Arbeitsfront. Von ihm stammt auch der Satz: "Wir fangen schon beim Kinde von drei Jahren an; sobald es anfängt zu denken, bekommt es schon ein Fähnchen zu tragen."
Diese totale Erfassung war - nach Hennig - vor allem deshalb möglich, weil zuvor alle konkurrierenden Kräfte und Bünde der Jugendarbeit weitgehend ausgeschaltet worden waren.
Doch es gab junge Menschen, die sich dagegen wehrten, wie die Trierer Willi und Aurelia "Orli" Torgau. Beide wurden zu KZ-Haft verurteilt. Wie es Gruppen erging, die ihre Unabhängigkeit im totalen Staat behalten wollten, schilderte der Referent am Beispiel des Nerother Wandervogels - einer Jugendgruppe, die bei Daun entstand. Die Gruppe wurde 1936 verboten. Am längsten wehrte sich die katholische Jugendbewegung gegen die Gleichschaltung, ein Beispiel war die Sturmschar. Hennig erinnerte an mutige Sturmscharler wie den Trierer Diözesanwart Hans Renner, der einige Monate in Haft verbringen musste.
Schließlich berichtete Hennig von den Geschwistern Heinz und Gertrud Kahn. Sie mussten als Juden Zwangsarbeit in Trier leisten und wurden 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Gertrud wurde sofort umgebracht, Heinz überlebte und kehrte nach der Befreiung nach Trier zurück. Dort gründete er die Jüdische Kultusgemeinde neu. Nach diesen eindrucksvollen Biografien schloss Hennig seine Ausführungen mit der Geschichte der Burg Stahleck bei Bacharach. Dort litten im Sommer 1942 183 Luxemburger Schüler zwischen 16 und 19 Jahren, die sich an Aktionen gegen die Einführung der deutschen Wehrpflicht in ihrer Heimat beteiligt hatten. Einen von ihnen, Lucien Olinger, zitierte Hennig mit den Worten: "Das war demütigende Schikane. Es waren Erniedrigungen, es waren permanente Drohungen, es war eine Entwürdigung ohnegleichen."
In der anschließenden Diskussion berichtete eine Frau von ihrem Vater, der auch auf die Burg Stahleck deportiert worden war. Er habe niemals über die Gründe sprechen wollen.
Der Vortrag, zu dem die AG Frieden eingeladen hatte, fand im Rahmenprogramm der Ausstellung "Es lebe die Freiheit! - Junge Menschen gegen den Nationalsozialismus" statt. Sie ist bis 7. Februar im A/B-Foyer der Universität Trier zu sehen. red