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"Das zehrt unwahrscheinlich an den Nerven"

"Das zehrt unwahrscheinlich an den Nerven"

Ein Ausbau der B 51 in Hohensonne soll die verkehrsgeplagten Anwohner entlasten. Geplant ist unter anderem, die Bundesstraße neben der bisherigen Trasse neu zu bauen und aus Lärmschutzgründen tiefer zu legen.

 Pausenloser Lärmstress: Vor Rudolf Kimmlingens Wohnzimmerfenster verläuft die viel befahrene B 51. TV-Foto: Albert Follmann
Pausenloser Lärmstress: Vor Rudolf Kimmlingens Wohnzimmerfenster verläuft die viel befahrene B 51. TV-Foto: Albert Follmann

Aach-Hohensonne. Lärm, Abgase, Unfallgefahr - davon können die rund 160 Bewohner des Aacher Ortsteils Hohensonne (Kreis Trier-Saarburg) ein Lied singen. Mitten durch den Ort verläuft die vielbefahrene B 51 (rund 23 000 Fahrzeuge am Tag). "Deutschland ist wiedervereint, Hohensonne nicht" lautet die Botschaft auf einem Protestplakat, das ein Anwohner im Vorgarten aufgestellt hat. Seit Jahrzehnten kämpfen die Bürger für eine Ortsumgehung, doch die wird es aus Kostengründen nicht geben. Stattdessen haben die Straßenplaner vor etwa vier Jahren eine andere Lösung aus dem Hut gezaubert: Den kreuzungsfreien Um- und Ausbau des Knotenpunkts. Die B 51 wird einige Meter weiter östlich auf 1,5 Kilometern Länge neu gebaut und um eine dritte Fahrspur in Fahrtrichtung Bitburg erweitert. Eine Brücke, die auch von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden kann, verbindet dann die Wohnbereiche statt der heutigen Unterführung. Vier Häuser, die unmittelbar an die Bundesstraße angrenzen, sollen abgerissen werden. Ferner wird die B 51 aus Lärmschutzgründen tiefer gelegt. Etwa zehn Millionen Euro soll der Umbau kosten; das Planfeststellungsverfahren mit Bürgerbeteiligung läuft derzeit.
Rudolf Kimmlingen (75) gehört zu den Grundstücksbesitzern, die an den Landesbetrieb Mobilität (LBM) verkauft haben. Er ist in dem Haus, das er jetzt aufgibt, geboren und geht schweren Herzens: "Das Emotionale zahlt dir keiner", sagt Kimmlingen, dennoch haben er und seine Familie die Bitburger Straße schon Tausende Male verflucht - insbesondere, seit sie in den 1960er Jahren ausgebaut wurde. Lärmschutzfenster, mehrfachverglast, machen den Aufenthalt drinnen zwar einigermaßen erträglich, aber vor der Haustür werden tagsüber 70 Dezibel (dB) gemessen, das ist vergleichbar mit dem Lärm eines Staubsaugers in einem Meter Entfernung. "Das zehrt unheimlich an den Nerven", sagt der 75-Jährige. Vor etwa drei Jahren sei das Tempolimit von 70 auf 50 Stundenkilometer herabgesetzt worden, und die Polizei kontrolliere verstärkt. Seither, so Kimmlingen, habe sich die Lärmsituation verbessert. Dennoch seien einige Bewohner in Hohensonne und auch in Neuhaus, einem 80-Einwohner-Örtchen wenige Hundert Meter weiter Richtung Trier, derart gefrustet, dass sie fortziehen. "Teilweise sind in kurzer Zeit Häuser und Wohnungen schon zwei Mal verkauft worden", sagt Rudolf Kimmlingen.
Auch in Neuhaus hat der LBM seine B-51-Strategie realisiert: Umgehung nein, kreuzungsfreier Ausbau mit Zusatzspur fürs flottere Vorwärtskommen ja. Auf Druck der Anwohner mussten die Straßenplaner allerdings nachbessern: Hauptkritikpunkte waren mehr Lärm durch die neue Überholspur, zu kurze Einfädelungsspuren und Gefahren für Fußgänger bei einer Unterführung. Vor Neuhaus gilt jetzt Tempo 70, vorher war eine Geschwindigkeit von 100 Kilometern in der Stunde erlaubt. alf