Debakel um Flughafen Hahn

Der geplatzte Verkauf des Flughafens Hahn stürzte die seit Mai regierende Ampelkoalition im Land gleich zu Beginn in eine schwere Krise. Allerdings überstand Ministerpräsidentin Dreyer ein Misstrauensvotum.

Lautzenhausen. 6. Juni, Konferenzraum des Flughafens Hahn. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz präsentiert freudestrahlend den vermeintlich neuen Besitzer des Flughafens Hahn. Die völlig unbekannte chinesische Gesellschaft Shanghai Yiqian Trading (SYT). Von Anfang an bestehen Zweifel an der Seriosität des Unternehmens, auch wenn Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Lewentz diese abschmettern. So lange zumindest, bis ein ARD-Reporter unter der angegebenen Firmenadresse in Shanghai lediglich einen Reifenhandel findet. Lewentz stoppt daraufhin den Verkauf. SYT soll eine vereinbarte Kaufsumme nicht rechtzeitig überwiesen und eine gefälschte Bankbürgschaft vorgelegt haben. Das Land erstattet Anzeige gegen das offenbar nicht existierende Unternehmen. Die Opposition, allen voran die CDU, sieht die Verantwortung für das Hahn-Debakel und den geplatzten Verkauf bei Dreyer. Am 14. Juli stellt sie einen Misstrauensantrag gegen die Ministerpräsidentin, der erwartungsgemäß scheitert. Die Landesregierung gesteht zwar Fehler ein, gibt aber der Beraterfirma KPMG, die das Verkaufsverfahren gemanagt hat, die Schuld und trennt sich schließlich von ihr. Über sechs Millionen Euro haben die Berater bis dahin vom Land erhalten. Im Herbst startet die zweite Runde des Verkaufsverfahrens. Zunächst gibt es 13 Interessenten, darunter auch den Trierer Projektentwickler Triwo. Drei Bieter bleiben am Ende übrig, Triwo hat vorzeitig sein Gebot zurückgezogen. Im Januar soll angeblich die Entscheidung fallen, wem künftig der Hahn gehört.
Bernd Wientjes

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