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Debatte um Sterben und Organspende: Wann ist der Mensch wirklich tot?

Debatte um Sterben und Organspende: Wann ist der Mensch wirklich tot?

Fast 500 schwerkranke Patienten in Rheinland-Pfalz warten auf ein Spenderorgan. Die Bereitschaft, Organspender zu werden, ist aber geringer geworden. Viele haben Angst, bei der Entnahme nicht wirklich tot zu sein.

Eine Volksfreund-Leserin schreibt am Dienstag auf der Facebook-Seite des TV: "Ich befürchte, dass bei jemandem, der einen Organspendeausweis besitzt, schneller alle lebensrettenden Maßnahmen eingestellt werden als bei jemandem, der keinen besitzt." Die Internet-Nutzerin drückt die Angst aus, die viele haben. Werden potenzielle Organspender schneller für tot erklärt als Nicht-Organspender? Wann ist der Mensch tot?

Der Deutsche Ethikrat, dem 26 Wissenschaftler angehören, hat gestern mehr Transparenz und Aufklärung der Bürger zum Thema Organspende gefordert: "Jeder Mensch muss die Möglichkeit haben, seine individuelle Entscheidung zur Organspende zu treffen." Der Hirntod sei eine Voraussetzung für die Entnahme von Organen, so die Mehrheit der Experten. Doch eine Minderheit hält den Hirntod nicht für den Tod des Menschen, weil wesentliche Organfunktionen - wenn auch maschinell - noch aufrechterhalten würden. Fälle wie der in Bremen, wo eine Organentnahme abgebrochen wurde, weil unklar war, ob der Hirntod des Spenders korrekt festgestellt wurde, heizen die Diskussion an. Die Kriterien für den Hirntod seien eindeutig, sagt Günther Matheis, Chef der Bezirksärztekammer. Er fordert "glasklare, nachprüfbare Vorgaben", um verloren gegangenes Vertrauen in die Organspende wiederherzustellen.

In Rheinland-Pfalz gab es im vergangenen Jahr 100 Transplantationen. 490 Menschen im Land warten auf ein Spenderorgan, bundesweit sind es mehr als 10.000. Eine von ihnen ist Monika Steuer aus Saarburg. Die 61-Jährige wartet seit sechs Jahren auf eine neue Lunge. Sie befürchtet, dass durch die aktuelle Diskussion die Bereitschaft zur Organspende weiter zurückgeht. Die schwerkranke Frau sagt: "Es sollte sich jeder vorstellen, dass er ohne fremdes Organ sterben müsste."