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Der Abflug ins Hinterstübchen und die Folgen

Der Abflug ins Hinterstübchen und die Folgen

Der eine geht, der andere organisiert: Geschäftsführer Markus Bunk ist nach dem Ausscheiden seines Kollegen Heinz Rethage alleiniger starker Mann am Flughafen Hahn. Alles deutet darauf hin, dass Bunk das auch bleiben wird.

 Da schien die Welt am Hahn noch einigermaßen in Ordnung: (von links) Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro, der künftige alleinige Geschäftsführer Markus Bunk sowie Heinz Rethage, der nun als Geschäftsführer ausscheidet, Anfang April in einer Pressekonferenz in Lautzenhausen. Foto: dpa
Da schien die Welt am Hahn noch einigermaßen in Ordnung: (von links) Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro, der künftige alleinige Geschäftsführer Markus Bunk sowie Heinz Rethage, der nun als Geschäftsführer ausscheidet, Anfang April in einer Pressekonferenz in Lautzenhausen. Foto: dpa

Mainz/Lautzenhausen. Am Tag danach: Abteilungsleiterrunde am Flughafen Hahn. Der Abflug von Geschäftsführer Heinz Rethage in ein Hinterstübchen des Innenministeriums und dessen Folgen wollen besprochen sein.
Markus Bunk, der neue "Herrscher" am Hunsrück-Airport, informiert die Belegschaft. Grundsätzlich will der Geschäftsführer die internen Grabenkämpfe, die maßgeblich seinem ehemaligen Kollegen Rethage angelastet werden, schnellstmöglich beenden. Eine Mitarbeiterin erzählt dem Volksfreund, man hoffe sehr, jetzt in Ruhe arbeiten zu können.
Der defizitäre Flughafen hat keine Zeit zu verlieren. Für dieses Jahr wird mit einem Verlust von 20 Millionen Euro gerechnet. Letztes Jahr betrug das Minus, begünstigt durch Sondereffekte, "nur" elf Millionen Euro. Das Land übernimmt den Verlustausgleich mit Steuermitteln aus dem Haushalt. Spätestens 2023 wird es aber mit Beihilfen vorbei sein. So will es die EU-Kommission.
Der Sanierungsplan sieht vor, dass die Erlöse durch höhere Parkeinnahmen und die Akquise neuer Kunden gesteigert werden. Die Kosten sollen im Gegenzug gesenkt werden, indem zum Beispiel Personal abgebaut wird. Nicht benötigte Immobilien sollen veräußert werden. Bis 2023 soll sich das Jahresergebnis um zehn Millionen Euro verbessern, was angesichts des diesjährigen Minus gar nicht ausreicht. Zudem sinken die Passagier- und Frachtzahlen kontinuierlich.
Ein Lichtblick: Heute präsentieren Bunk und Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro eine neue Kooperation mit dem chinesischen Flughafen Zhengzhou. Bunk hat das eingefädelt.
Heinz Rethage ist nach 15-monatigem Wirken sofort freigestellt. Sein bis Jahresende laufender Vertrag wird zum 30. Juni gekündigt. Über die genauen Modalitäten seines neuen Jobs muss er noch mit Innenminister Roger Lewentz (SPD) verhandeln.
Der Aufsichtsrat der Hahn GmbH hat sich in der Sondersitzung am Mittwoch mit der Personalie beschäftigt. Die Stimmung: eindeutig gegen Rethage. Doch ein Votum musste das Kontrollorgan nicht mehr abgeben.
Die Entscheidung wurde ihm zuvor von der Gesellschafterversammlung abgenommen. Diese besteht nur aus zwei Leuten: einem Vertreter des Landes Rheinland-Pfalz, das 82,5 Prozent der Anteile hält, und einem Vertreter Hessens, das 17,5 Prozent hält.
Der Zeitpunkt der Entlassung ist ein Paukenschlag. Dass Heinz Rethage gehen musste, überrascht hingegen nicht. Er selbst hat in seinem Ende Dezember vom Aufsichtsrat verabschiedeten Sanierungskonzept aufgezeigt, dass der Hahn nur einen Geschäftsführer brauche.
Ebenso wie sein Vorgänger Jörg Schumacher fällt Rethage weich. Schumacher bekam nach seiner Ablösung von Innenminister Lewentz einen Beratervertrag, Rethage erhält einen Job im Ministerium. Das sei bestenfalls eine Teillösung, kritisiert FDP-Landeschef Volker Wissing. "Entweder die Landesregierung stützt den Geschäftsführer oder sie stürzt ihn, aber dazwischen gibt es wenig Sinnvolles."
CDU-Chefin Julia Klöckner spricht davon, Heinz Rethage sei eine "Fehlbesetzung" gewesen. Die Union hatte zuvor in Gestalt von Fraktionsvize Alexander Licht bereits mehrfach die Entlassung des Managers gefordert. Die Opposition will die jüngsten Ereignisse kommende Woche im Landtag zur Sprache bringen.
Auffallend still: die Grünen. Der Koalitionspartner der SPD, der zuvor stets auf Aufklärung gedrungen und Rethage gestützt hatte, schweigt zu dessen Aus.
Die Kammern sind von dem Personalwechsel alles andere als begeistert. Diesmal äußert sich der Koblenzer IHK-Hauptgeschäftsführer Arne Rössel und betont, der Sanierungskurs müsse unbedingt fortgesetzt werden.
Heinz Rethage mag es eine Genugtuung sein, dass einer seiner Intimfeinde am Hahn ebenfalls Federn lässt: Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jörg Munsteiner lässt seine Mitgliedschaft im Aufsichtsrat ruhen, bis die Vorwürfe gegen ihn geklärt sind. Munsteiner soll Mitarbeiter gemobbt haben, was er bestreitet.
Auf Markus Bunk, der wohl alleiniger Geschäftsführer bleiben wird, wartet viel Arbeit. Er muss zunächst dem Aufsichtsrat Vorschläge präsentieren, wie die Aufgaben von Heinz Rethage betriebsintern neu verteilt werden. Da das Vier-Augen-Prinzip gelten muss, sollen andere Führungskräfte Prokura bekommen.
Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro (SPD) sagt dem Volksfreund, er habe "einen sehr guten Eindruck" von Bunk, der erst seit Oktober 2013 im Hunsrück aktiv ist - und von Barbaro dorthin geholt wurde. Allerdings müsse sich Bunk "natürlich an Erfolgen messen lassen", unterstreicht der Finanzstaatssekretär.
Bereits beschlossen worden ist, wie es mit der Passagierabfertigung am Flughafen weitergeht. Der Ende 2014 auslaufende, lukrative Vertrag der Firma SSD, der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz wegen des Verdachts der Untreue oder der Beihilfe gegen sieben Beschuldigte ausgelöst hat, wird laut Hahn-Chef Markus Bunk nicht verlängert. Eine mehrstufige Ausschreibung werde vorbereitet.
"Wir wollen lernen, was der Markt für Preise verlangt", erklärt Bunk. Das werde man dann mit den eigenen Preisen abgleichen. Selbstverständlich könne sich die Firma SSD erneut bewerben. Fazit: Erst am Ende wird sich zeigen, ob der Hahn tatsächlich Kosten sparen kann, indem er die Abfertigung selbst erledigt oder günstiger als bislang vergibt, wie es Ex-Geschäftsführer Heinz Rethage behauptet hatte.