Der Abstieg des Aufstiegs

TRIER. Noch ist das vorläufige Aus für den Moselaufstieg nicht formal im Bundeskabinett beschlossen, da beginnen schon heftige Spekulationen und politische Schuldzuweisungen.

Vor allem die CDU erhob massive Vorwürfe. Die Rückstufung vom vordringlichen in den weiteren Bedarf sei "ein Affront und Schlag ins Gesicht der ganzen Region", schimpfte der CDU-Landtagsabgeordnete Dieter Schmitt. Seine Analyse: Ministerpräsident Beck habe Verkehrsminister Bauckhage "unter Druck gesetzt", den Moselaufstieg außen vor zu lassen und dem Westerwälder "als Trostpflaster zusätzliche Straßenprojekte in seiner Heimat genehmigt". Man fühle sich "verkauft und verschaukelt".Eine Ansicht, die Schmitts SPD-Kollege Manfred Nink keineswegs teilt. Ministerpräsident Beck und die Staatskanzlei hätten sich "bis zuletzt eingeschaltet", um für den Moselaufstieg zu werben. Das Verkehrsministerium habe ihm gegenüber ausdrücklich jeden Zusammenhang zwischen den Projekten im Westerwald und dem Moselaufstieg bestritten, sagte Nink.Gegenüber der Presse gab sich Bauckhages Ministerium zurückhaltender. "Kein Kommentar, bevor uns der Beschluss des Bundeskabinetts offiziell vorliegt", hieß es kategorisch in Mainz. Am Freitag will man vor die Presse treten.So lange mochte der CDU-Kreisvorsitzende und Saarburger Bürgermeister Günter Schartz nicht warten. Das Saartal werde "vom Fernverkehr auf immer längere Zeit abgeschnitten bleiben", kritisierte er. Das liege nicht zuletzt an der "fundamentalen Verweigerung der SPD-Abgeordneten Diller und Grimm".Erleichterung dagegen auf der anderen Moselseite: In Igel "atmen die meisten Bürger auf", sagte Bürgermeister Franz-Josef Scharfbillig. Für die Gemeinde hätte der Moselaufstieg "nur Nachteile gebracht". Bis auf weiteres müssen sich die Igeler keine Sorgen mehr machen: Die Einstufung in den "weiteren Bedarf" lässt kaum zu, dass in den nächsten zehn Jahren finanzielle Mittel für das Großprojekt fließen. Zur Freude von Peter Morandini von der Bürgerinitiative gegen den Moselaufstieg, der allerdings erwartet hatte, "dass der Aufstieg angesichts der Rahmendaten völlig aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen wird".Ungeklärt ist die Zukunft der noch in einem frühen Planungsstadium befindlichen Nordumgehung Trier. Wie der Moselaufstieg ist sie als ökologisch risikoreich eingestuft - was allerdings nach Auskunft des Bundesverkehrsministeriums kein Hindernis für Weiterführung des Planungsverfahrens bedeutet.