"Der Ärztemangel ist dramatisch"

"Der Ärztemangel ist dramatisch"

Nirgends in Rheinland-Pfalz gibt es größere Probleme bei der Versorgung mit Hausärzten als in der Region Trier. Das sagt der neue Vorsitzende der Bezirksärztekammer, Günther Matheis. Er verlangt von der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin, dass sie den bestehenden Ärztemangel anerkennt.

Trier. Hausärzte suchen händeringend nach Nachfolgern, Krankenhäuser können kaum noch ihre Stellen besetzen - der neue Vorsitzende der Bezirksärztekammer Trier, Günther Matheis, spricht von einem dramatischen Ärztemangel in der Region. Mit dem Thoraxchirurgen sprach TV-Redakteur Bernd Wientjes

Herr Matheis, wo sehen Sie die dringendsten Probleme der Ärzteschaft in der Region?
Matheis: Die Zahl der Ärzte geht immer weiter zurück. Hier bei uns sind die Probleme bei der Versorgung mit Hausärzten so groß wie nirgends in Rheinland-Pfalz, vor allem in dünn besiedelten Gebieten. Die kleineren Krankenhäuser sind kaum noch in der Lage, alle ihre Stellen zu besetzen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Versorgung in der Fläche gewährleistet ist.
Was kann dagegen getan werden?
Matheis: Die Bezahlung für Ärzte in konfessionellen Krankenhäusern muss besser werden. Ansonsten finden sie auf Dauer kein wirklich gutes Personal mehr. Die Ärzte gehen dann lieber in Krankenhäuser, in denen sie bessere Konditionen finden. Selbst große Kliniken in Trier finden nicht mehr so einfach Ärzte.
Für wie problematisch halten Sie die Situation in der Region?
Matheis: Der Ärztemangel ist dramatisch. Die Situation wird sich noch weiter zuspitzen. Bereits heute wandern viele Ärzte nach Luxemburg aus, wo sie bessere Arbeitsbedingungen finden.
Die Politik widerspricht aber dem akuten Ärztemangel.
Matheis: Unsere Gesundheitsministerin sollte anerkennen, dass es zu wenig Ärzte in der Region gibt. Wichtig ist auch, dass sie den Kliniken hier bei uns rechtzeitig signalisiert, wie es mit ihnen weitergeht. Die Häuser brauchen Planungssicherheit.
Ist die ärztliche Versorgung in der Region trotz der fehlenden Ärzte noch ausreichend?
Matheis. Ja, auf jeden Fall. Zumindest derzeit noch. Selbst wenn Patienten in Einzelfällen sechs Monate auf einen Termin bei einem Facharzt warten müssen, ist die Notfallversorgung gewährleistet.
Welche Rolle wird die Bezirksärztekammer bei dem Thema künftig spielen?
Matheis: Wir müssen uns auf Landesebene wieder mehr Gehör verschaffen, die Ärzte der Region brauchen dort wieder eine Stimme. Die Kammer muss wieder politischer werden. Wir müssen uns stärker in das politische Tagesgeschäft einmischen. wie
Extra

Günther Matheis, 53, ist Chef der Bezirksärztekammer. Er ist Leitender Arzt im Trierer Brüderkrankenhaus und Bezirksvorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. wie

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