Der Fall Doerfert geht in die Verlängerung

Der Fall Doerfert geht in die Verlängerung

Der ehemalige Chef der Caritas Trägergesellschaft Trier, Hans-Joachim Doerfert, muss erneut ins Gefängnis. Das Koblenzer Oberlandesgericht hat nach Volksfreund-Informationen eine Revision des 68-Jährigen verworfen.

Trier/Koblenz. In den 1990er Jahren war Hans-Joachim Doerfert nicht nur in Trier ein einflussreicher und viel hofierter Mann. Als Chef des stetig wachsenden katholischen Gesundheitskonzerns ctt pflegte Doerfert Kontakte in die höchsten Kreise von Politik, Gesellschaft, Kirche und Sport. Entsprechend groß war der Knall, als Ende der 90er Jahre Betrugs- und Untreuevorwürfe gegen den umtriebigen Manager laut wurden - und der zuvor vom damaligen Bischof Hermann Josef Spital geschasste Doerfert schließlich an einem Septembermorgen in Saarbrücken beim Verlassen eines Geschäftshauses verhaftet wurde.
"Selbstbedienungsmentalität"


Eineinhalb Jahre später verurteilte das Koblenzer Landgericht den damals 57-jährigen Juristen wegen Untreue in 58 Fällen zu sieben Jahren und drei Monaten Gefängnis. Doerfert habe die Caritas Trägergesellschaft jahrelang als sein Eigentum betrachtet und sich systematisch aus den Kassen des kirchlichen Vereins bedient, sagte seinerzeit der Vorsitzende Richter Hans-Georg Göttgen in seiner Urteilsbegründung. Als Beispiele für die "Selbstbedienungsmentalität" nannte der Richter Beratungshonorare, die der Geschäftsführer Doerfert dem Rechtsanwalt Doer fert in Rechnung gestellt habe, oder auch Spenden an den Fußballverein Eintracht Trier.
Ein knappes halbes Jahr nach dem Koblenzer Urteil stockte das Landgericht München die Strafe gegen Doerfert wegen drei Fällen der Bestechlichkeit sogar noch auf: Zehneinhalb Jahre lautete am Ende die Gesamtfreiheitsstrafe.
Auch zwei enge Vertraute Hans-Joachim Doerferts wurden seinerzeit zu Gefängnisstrafen verurteilt, andere Weggefährten kamen mit Geldstrafen davon. Etwa der damalige Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD). Wegen Beihilfe zur Untreue verurteilte das Trierer Amtsgericht den einstigen 1. FC Saarbrücken-Präsidenten per Strafbefehl zu 27 000 Mark. Hintergrund: eine deftige Finanzspritze, die der saarländische Fußballclub von Doerfert bekommen haben soll. Klimmt trat wenig später zurück.
Peinlich war der Doerfert-Skandal aber besonders auch für die katholische Kirche und den damaligen Trierer Bischof Spital, der die Rechtsaufsicht über die ctt hatte. Statt den Chef von 42 katholischen Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen zu kontrollieren, vertraute ihm der Bischof blind.
Warnende Hinweise Dritter ignorierte Spital. Am Ende waren Image- und finanzieller Schaden enorm: Das Bistum pumpte zig Millionen in den angeschlagenen Gesundheitskonzern, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Unter den finanziellen Altlasten leidet die inzwischen in Cusanus Trägergesellschaft Trier umbenannte ctt noch immer. Ihr einstiger Chef Hans-Joachim Doerfert wurde 2005 wegen guter Führung vorzeitig auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Er zog wieder nach Trier.
Im Sommer 2011 verurteilte ihn das Trierer Amtsgericht wegen Betrugs und Untreue zu einer elfmonatigen Bewährungsstrafe. Dabei ging es um Doerferts Engagement bei zwei am Ende zahlungsunfähigen Trierer Gesundheitsunternehmen. In der Berufungsverhandlung wurde das Urteil zuungunsten Doerferts verschärft - in eine eineinhalbjährige Gefängnisstrafe ohne Bewährung. Dieses Urteil ist nach der verworfenen Revision jetzt rechtskräftig. Wenn es schlecht für den 68-jährigen Wahl-Trierer läuft, könnte jetzt auch die noch laufende Bewährung widerrufen werden. Dann müsste Doerfert sogar länger ins Gefängnis als anderthalb Jahre.

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