Der Fidget-Spinner: Plastikmüll oder geliebter Spielspaß? (Umfrage/Video)

Der Fidget-Spinner: Plastikmüll oder geliebter Spielspaß? (Umfrage/Video)

Bereits seit Wochen beherrscht nun ein Spielzeug die Schulhöfe, Spielplätze und Kinderzimmer Deutschlands. Der Fidget Spinner, ein Handkreisel, wurde quasi über Nacht zum unverzichtbaren Spielzeug für Kinder, Jugendliche und Junggebliebene. Wir erklären den Sommertrend 2017.

Foto: Melanie Schneider, volksfreund.de
Foto: Axel Dammler-Pressefoto

"Nach Pokemon Go im letzten Jahr sind die Fidget Spinner der Sommertrend des Jahres. Die Kinder wollen das neue Spielzeug haben, coole Tricks zeigen und sich im Wettbewerb mit Freunden messen.", sagt Willy Fischel Geschäftsführer vom Handelsverband Spielwaren (BVS). Das Spielzeug gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen, Formen und Farben. Eines haben aber alle Spinner gemeinsam: In der Mitte befindet sich ein Kugellager. Von dort gehen meist drei Flügel ab, welche auch kugelgelagert sein können. Diesen Kreisel nimmt man nun zwischen Zeigefinger und Daumen und fängt an ihn mit einer Hand zu drehen. Neben dem einfachen Drehen, können aber auch unkomplizierte bis anspruchsvolle Tricks mit den Spinnern ausgeführt werden. Es gibt Modelle, die beim Drehen leuchten oder auch Töne von sich geben. Für jeden Geldbeutel und Geschmack ist etwas dabei. Inspirieren lassen können sich die Spieler mittlerweile auch in zahlreichen YouTube Videos oder auch ganz klassisch in Büchern.

Dabei ist der Trend gar nicht zu erwarten gewesen, wie Axel Dammler, Spielwarenmarktforscher vom Institut "Iconkids & Youth", berichtet. Er hätte auf keine Aktie gewettet, wenn es um den Fidget Spinner gegangen wäre. Und auch Gerd Klein (63), Inhaber eines Spielwarengeschäfts in Trier gibt zu "Am Anfang war ich überrascht, dass ein Dreieck so viel bewegen soll. Aber im Nachhinein finde ich die Spinner sehr gut. Vor allem für hyperaktive Kinder, man reagiert sich damit ab. Sie knabbern nicht mehr an den Fingernägel. Und was für mich ganz wichtig ist, sie sind vom Handy weg."

Tatsächlich wurde der Fidget Spinner ursprünglich 1993 von Catherine A. Hettinger aus Florida, USA, erfunden, weil sie an einer muskelschwächenden Autoimmunkrankheit erkrankte. Die Handkreisel werden auch bei Autisten, ADHS Patienten und Angstanfällen eingesetzt. Die Patienten lernen durch die intensive Beschäftigung mit dem Kreisel sich zu konzentrieren und sich somit von ihrer Krankheit abzulenken. Angeblich sollen sie darüber hinaus beruhigend und stressabbauend wirken. Dammler geht aber nicht davon aus, dass das Spielzeug einen langfristigen positiven Effekt auf die Kinder hat, da die Bewegung zu einfach sei und der Trend zu kurzlebig.

In der Trierer Innenstadt ist der Fidget Spinner jedem ein Begriff. An jeder Ecke kann man ihn kaufen. Lennart Geber (11) aus Neunkirchen hat zwar zwei Fidget Spinner, er spiele aber nicht so oft mit ihnen. Auch Nico Weber (12) aus Sachsen findet, dass es ein "ziemlich cooler Zeitvertreib" bei Langeweile sei. Mehr sei es aber auch nicht für ihn. Auch die Eltern haben ihre Meinung zum neuartigen Spielzeug ihrer Kinder. Sylvia Weber (45) aus Sachsen findet die Fidget Spinner " schöner, als die ganze Videotechnik". Auch die zwei Söhne von Christian Steingasser (34) aus Neunkirchen wollen an jeder Ecke die Fidget Spinner haben. Der Kreisel sei eine gute Ablenkung und ihm mache es nichts aus, wenn seine Kinder mit ihnen spielen. Jedoch solle man auf die Qualität der Spinner achten. "Manche sind aus China - die Qualität ist dann schlecht. Manche drehen eine Minute, manche zwei. Wir stoppen die Zeiten immer."

Neben Qualitätsmängeln und Anwenderfehlern gibt es laut Dammler noch weitere Risiken, die dieses Spielzeug mit sich bringt. Probleme gibt es, wenn die Spinner technisch nicht sicher seien. Wenn beispielsweise die Metallgewichte herausfallen und verschluckt werden könnten. Insgeheim halte er nicht viel von den Fidget Spinnern, da es nur ein Spielzeug mit "visuellem Reiz" sei.

Der Spielwert sei gering und auch der Sammler- und Tauschwert nicht ausgeprägt, weshalb auch der Siegeszug um dieses Spielzeug zu Ende geht. "Die Kinder haben ja nur zwei Hände", erklärt Dammler. So sei das aber immer wieder, wenn eine coole Trendwelle ankommt. Auch Gerd Klein in Trier bemerkt einen Rückgang in den Verkaufszahlen. "Der Hype flacht schon ab. Weil nun jedermann an die Artikel ran kommt. Und so wird ein Hype genauso schnell kaputt gemacht, wie er nach oben schießt.", bemängelt er den Vorstoß der Discounter auf den Fidget Spinner Markt.

Auch eine Firma aus Birkenfeld im Hunsrück hat das Trendprodukt in ihr Sortiment aufgenommen und produziert die Fidget Spinner.

Als der Trend im Mai in Deutschland ausbrach, wurden bis zu 10 000 Stück an einem Wochenende verkauft. Bis Juni wurde dabei ein Umsatz von einer Million Euro erwirtschaftet. Doch seit Juni gehen die Verkaufszahlen langsam zurück, wie der BVS berichtet.

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