Der Finanzminister und die gelbe Ampel

Mainz · Obwohl er selbst schon mehrere Fristen gesetzt hat, kann Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) noch immer keinen Vollzug bei seinem politisch stark umstrittenen Finanzmodell in Sachen "Nürburgring 2009" melden. Der angestrebte Verkauf der neuen Immobilien für 200 Millionen Euro an den Investor IPC/Pinebeck verzögert sich weiter. Boris Beckers Ruf als Tennislegende will sich auch die Nürburgring GmbH zunutze machen und verpflichtete ihn als neuen Markenbotschafter, der den "neuen" Ring in der Welt bekannt machen soll.

 Vor der Zielgeraden: das neue Freizeit- und Businesszentrum an der Formel-1-Rennstrecke Nürburgring. Foto: Archiv/dpa

Vor der Zielgeraden: das neue Freizeit- und Businesszentrum an der Formel-1-Rennstrecke Nürburgring. Foto: Archiv/dpa

(fcg/HG) "In allen wichtigen Komponenten gibt es grünes Licht, nur eine Ampel steht noch auf gelb", sagte Deubel am Donnerstag im Haushalts- und Finanzausschuss des Landtages. Nach seinen Angaben "steht die Finanzierung, und die Überprüfung ist abgeschlossen". Bei der "Compliance" prüften die Banken auf Geldwäsche sowie alle Beteiligten des Geschäftes.

Dass dennoch noch nichts unter Dach und Fach ist, dafür lieferte Deubel diesmal eine andere Begründung: Eine Bank müsse noch eine "Reputationsprüfung" vornehmen. Nach TV-Informationen handelt es sich dabei um eine neue Bank, die gesucht werden musste, weil die Liechtensteinische Landesbank in Zürich die Geschäftsbeziehung zur Nürburgring GmbH aufgrund der negativen Schlagzeilen beendet hat. Das erfuhr der TV aus der nicht-öffentlichen Ausschuss-Sitzung.

Bei der "Reputationsprüfung" werden laut Deubel die Presseberichte über das Projekt "Nürburgring 2009", bei dem die Eifel-Rennstrecke für 252 Millionen Euro zu einem Freizeit- und Geschäftszentrum erweitert wird, analysiert. Die Bank wolle ausschließen, dass ihr Ansehen beschädigt werde. "Das Privatisierungsvorhaben spielt sich vor den Augen der Öffentlichkeit ab, das ist bedauerlich", sagte Deubel. Die Berichte in manchen Medien seien "leider häufig Unfug".

Der stellvertretende CDU-Fraktionschef Alexander Licht aus Brauneberg wertete Deubels Erklärung als "abenteuerlich und unverschämt". Der Minister nenne "jede Woche und jeden Monat eine neue Frist", ohne sich anschließend daran zu halten. Gerd Schreiner (CDU) spottete, "vielleicht hätte das Finanzministerium auch besser eine solche Kommission für Reputationsfragen".

FDP-Fraktionschef Herbert Mertin stellte heraus, selbst bei erfolgreicher Privatfinanzierung liege das betriebswirtschaftliche Risiko weiterhin komplett bei der weitgehend landeseigenen Nürburgring GmbH und nicht bei dem Investor. Deubel stimmte dem ausdrücklich zu. Komme die Privatisierung mit einem Vorteil von 50 Millionen Euro gegenüber einer Standardfinanzierung zustande, ergebe sich "eine deutliche Verbesserung der Businesspläne". Klappe der Verkauf der Immobilien nicht, werde weiter die "gegenüber jedem Bankkredit günstigere Staatsfinanzierung" gewählt. Derzeit werden die Bauten, die Mitte Juli zum Formel-1-Rennen fertiggestellt sein sollen, über den Liquiditätspool des Landes finanziert.

Becker als Aushängeschild

Die deutsche Tennislegende Boris Becker als Aushängeschild für den neuen Nürburgring, das lockte die Medien an. Eine gute Stunde lang ließ der Star die rund 50 Medienvertreter von ARD bis ZDF warten, war von irgendwo auf der Welt in Köln gelandet, dann kam er begelietet von Bodyguards hereinspaziert. Ein buntes Filmchen zur Einstimmung auf den neuen Ring als Freizeit- und Businesszentrum, dann legte Nürburgring-Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz seine Sicht des neuen Nürnurgringbotschafters dar. "Der Nürburgring ist mehr als eine Rennstrecke, er ist ein nationales Monument. Boris Becker ist ein international bekannter Spitzensportler, besitzt eine hohe Affinität zum Motorsport und dem automobilen Lifestyle. Er verkörpert das, war auch den Nürburgring ausmacht: Leistung, Leidenschaft, Stärke, Herausforderung, Durchhaltevermögen und Erfolg".

Die hehren Worte gab Becker zurück. "Was Wimbledon für den Tennissport ist, das bedeutet der Nürburgring für den Motorsport. Was hier geschaffen wird, ist weltweit einmalig und wird mit Sicherheit sehr attraktiv für neue Besucher." Danach durfte der Tennisstar mit Kafitz in einen der Wagen der neuen und superschnellen Achterbahn des Nürburgringes einsteigen.

Meinung

Nur noch lächerlich

Der Finanzminister dieses Landes macht sich lächerlich und merkt es nicht einmal. Jetzt sind also die bösen Medien schuld daran, dass eine Bank abgesprungen ist und sein verwegenes, kaum durchschaubares, fragwürdiges Finanzmodell trotz mehrfacher Ankündigungen immer noch nicht geklappt hat. Ingolf Deubels Verhalten lässt nur einen Schluss zu: Er hat sich so sehr in seine Idee verrannt, dass er den schweren Imageschaden, den er sich und der gesamten Landesregierung zufügt, nicht wahrnimmt. Der Minister ist zu einer Belastung geworden. In den eigenen Reihen rumort es kräftig, wenn auch hinter den Kulissen. Zuletzt im Landtag hat Ministerpräsident Kurt Beck zum Thema Nürburgring eisern geschwiegen anstatt seinem Kabinettskollegen beizuspringen. Spätestens damit müssten bei Deubel alle Alarmglocken schrillen. Der Finanzakrobat attackiert aber lieber Medien und Kritiker, anstatt sich selbst zu hinterfragen. Man darf gespannt sein, wie lange sich Kurt Beck das Ganze noch tatenlos anschauen wird. Solange das Geld nicht komplett geflossen ist und abstruse Begründungen dafür herhalten müssen, wuchert das Thema wie ein Krebsgeschwür. f.giarra@volksfreund.de

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