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Der gläserne Patient ist längst Wirklichkeit

Der gläserne Patient ist längst Wirklichkeit

TRIER. Wissen Sie, welche Krankheitsdaten von Ihnen wo gespeichert sind? Wer glaubte, nur sein Arzt hätte Zugriff auf seine Krankheitsakte, täuscht sich. Kassen nutzen die Daten, die ihnen per Gesetz zustehen, zur gezielten Werbung.

Datenschützer sind alarmiert. Mehrmals bereits beschäftigten sie sich damit, welche Patientendaten die Krankenkassen bekommen und was sie damit anfangen dürfen. Vor fünf Jahren machte der Bundestag den Weg frei, Kassen erhalten seit 2004 von den Kassenärztlichen Vereinigungen personenbezogene Daten ihrer Versicherten. Damit sollen sie gezielt Versicherte für die strukturierten Behandlungsprogramme, die Disease-Management-Programme (DMP), werben. Laut Gesetz dürfen die Daten nur dafür verwendet werden. Neben den allgemeinen, auf der Versichertenkarte abgespeicherten Daten, erhalten die Kassen auch Infos über Art der Behandlung und Diagnosen. Datenschützer kritisieren, dass die Krankenkassen damit Profile ihrer Mitglieder anlegen und kontrollieren können, ob ein Versicherter etwa regelmäßig zum Arzt geht, ob er schwer krank ist oder welche Medikamente er nimmt. Sie befürchten, dass die Kassen Einfluss auf die medizinische Versorgung nehmen könnten. Auch die Ärzte warnen: "Die ambulante Versorgung wird durchsichtig", hieß es in der Ärztezeitung. Denn nicht immer benutzen die Kassen die Daten allein für die Behandlungsprogramme. Die Gmünder Ersatzkasse (GEK) erstellt anhand der Infos einen Gesundheitsreport: Wie krank sind die Deutschen? Besonders interessant könnte für die Kassen sein, die verordneten Arzneimittel mit den gestellten Diagnosen zu vergleichen und damit Ärzte zu kontrollieren. "Wir erstellen keine Versichertenprofile", heißt es bei der Barmer Ersatzkasse, die mit Briefen an vermeintlich Herz- oder Diabetes-Kranke viele Versicherte erst darauf brachte, dass außer ihrem Arzt auch andere Zugriff auf ihre Krankendaten haben. Es sei sichergestellt, dass nur ein ausgesuchter Personenkreis bei der Barmer an die brisanten Informationen heran kommt und man schreibe nur Versicherte an, die laut den Daten für Behandlungsprogramme für Herzerkrankungen oder Diabetes in Frage kommen, sagt eine Sprecherin. Knapp 600 Versicherte der Barmer in der Region haben sich bislang für entsprechende Programme eingeschrieben. Besondere Brisanz erhält der Daten-Zugriff der Kassen im Hinblick auf die geplante Gesundheitskarte, auf der die Krankheitsakte abgespeichert wird. Bislang wird vom Bundesgesundheitsministerium versichert, dass der Patient Herr seiner Daten ist und bestimmt, wer welche Infos bekommt. Die Realität scheint jedoch längst eine andere zu sein.