Der leise Abschied vom Bargeld

Der leise Abschied vom Bargeld

Immer mehr Deutsche zahlen ihre Einkäufe mit Karte. Viele Banken verlangen mittlerweile Gebühren für das Einzahlen von Münzen. Im nächsten Jahr verschwindet der 500-Euro-Schein.

Statt das letzte zusammengekratzte Kleingeld in den Klingelbeutel in der Kirche zu werfen, einfach die EC-Karte gezückt, durch ein Lesegerät gezogen, Geheimnummer und Betrag eingegeben - schon landet die Kollekte auf dem Kirchenkonto. Was in Deutschland nur in einigen Kirchen wie dem Hamburger Michel schon möglich ist - in der Region nirgends - ist in Schweden Alltag. Dort wird fast kaum noch mit Bargeld gezahlt. Selbst für den Kauf von Brötchen oder Kaugummis wird die Karte gezückt.

Auch in Deutschland wird immer öfter bargeldlos bezahlt. Gut 45 Prozent des Umsatzes im Einzelhandel werden per Karte gemacht. Genaue Zahlen für die Region Trier gibt es nicht. Geht man von einem gleich hohen Anteil an Kartenzahlungen in den Geschäften aus wie im Rest Deutschlands, dann wird bei einem Gesamtumsatz von rund drei Milliarden Euro im Jahr gut 1,3 Milliarden Euro bargeldlos bezahlt.

Die meisten Deutschen hängen noch an Scheinen und Münzen, wollen ihre Einkäufe lieber bar bezahlen, zumeist aus Angst vor Datenklau. "Bargeld ist gelebter Datenschutz. Unbares Zahlen hinterlässt Datenspuren. Diese Daten können von Dritten illegal abgefischt werden", sagt Klaus Müller, Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Jeder Deutsche hat nach Angaben der Bundesbank im Schnitt immer etwa 103 Euro im Geldbeutel.

Auch Banken und Sparkassen wollen offenbar nichts mehr mit Bargeld zu tun haben. Viele Geldinstitute verlangen schon seit langem Gebühren dafür, wenn Münzen eingezahlt werden. Mitunter muss fürs Abheben von Bargeld am Automaten gezahlt werden. Für Ein- und Auszahlungen in bar am Geldautomat verlangt zum Beispiel die Volksbank Trier laut Preisaushang von Kontoinhabern 40 Cent, am Schalter sind es 80 Cent. Bei der Sparkasse Bitburg- Prüm sind laut im Internet veröffentlichtem Preisaushang für Einund Auszahlungen bar am Schalter zwischen 50 Cent und 2,50 Euro fällig.

Wer seine Bankgeschäfte übers Internet macht, der muss für Überweisungen nichts zahlen. Das macht Online-Banking für viele Kunden attraktiv. So werden allein bei der Sparkasse Trier von insgesamt 127 000 privaten Girokonten mehr als 91 000 online geführt. Online-Banking sei für viele Bankkunden aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, sagt die Präsidentin des rheinland-pfälzischen Sparkassenverbandes, Beate Läsch-Weber. Digitalisierung ermögliche neue Kundenservices und bessere Beratungsqualität. Der durchschnittliche Sparkassenkunde, sagt Läsch-Weber, gehe noch einmal im Jahr zur Beratung in eine Filiale. Vielerorts, vor allem auf dem Land, führt der wachsende Anteil des Online-Bankings dazu, dass Banken und Sparkassen ihre Filialen schließen (der TV berichtete).

"Banken, Behörden und Wirtschaft arbeiten weiter daran, das Bargeld still und leise zurückzudrängen", sagt der Koblenzer Sozialwissenschaftler Stefan Sell. In der Tat gibt es Anzeichen dafür. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will die Obergrenze für Barzahlungen auf 5000 Euro festlegen (in Belgien liegt die Grenze bei 3000 Euro, in den Niederlanden bei 2000). Die EUKommission will die Bargeldmenge begrenzen - offiziell, um die Geldwäsche und organisierte Kriminalität einzudämmen. Und die Europäische Zentralbank hat angekündigt, ab 2018 keine 500-Euro- Scheine mehr auszugeben.

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