"Der macht die Arbeit für uns"

"Der macht die Arbeit für uns"

Auf der Internetplattform Wikileaks findet sich auch ein Bericht der US-Botschaft in Luxemburg. In dem als vertraulich eingestuften Dokument geht es um den Besuch eines Ex-Häftlings des Gefangenenlagers Guantánamo im Großherzogtum.

Es dürfte nicht oft vorkommen, dass die Tageszeitung "New York Times" oder der US-Nachrichtensender CNN über Luxemburg berichten. In diesen Tagen schon. In den Berichten geht es um den Besuch eines ehemaligen Häftlings des Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba Anfang des Jahres in Luxemburg. An sich nichts Spektakuläres, zumal Moazzam Begg, wie der Ex-Guantánamo-Insasse heißt, kein Geheimnis aus seinem Besuch im Großherzogtum gemacht hatte. Er gab eine Pressekonferenz, ließ sich nach einem Gespräch mit Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn fotografieren und zeigte im Kino Utopolis auf dem Kirchberg einen Dokumentarfilm ("Taxi to Hell") über das Lager. Schlagzeilen macht die Visite des Briten pakistanischer Herkunft derzeit, weil die Internetplattform Wikileaks ein dreiseitiges Dokument veröffentlicht hat, in dem die US-Botschafterin in Luxemburg, Cynthia Stroum, ausführlich darüber berichtet. Der als "vertraulich" eingestufte Bericht (Aktenzeichen "10Luxembourg5")über den Muslim Begg, der drei Jahre lang bis 2005 in Guantánamo saß, schildert dessen Gespräch mit Asselborn. Dabei soll Begg angeblich Druck auf den Minister ausgeübt haben, Guantanamo-Häftlinge in Luxemburg aufzunehmen. US-Präsident Barack Obama hatte bei seinem Amtsantritt 2009 versprochen, das Gefangenenlager innerhalb eines Jahres zu schließen. Noch immer werden 174 Männer, die als Terroristen verdächtigt wurden, in dem Lager festgehalten. Für sie wurden keine Abnehmerländer gefunden.

Der 42-jährige Begg, den die Zeitung "Welt" als "Außendienstler" des US-Außenministeriums bezeichnet, bemühte sich wohl nicht nur im Großherzogtum um die Aufnahme von ehemaligen Mitgefangenen. Er sei durch Europa gereist, um Regierungen davon zu überzeugen, heißt es in dem Bericht. Die Botschafterin kommt in ihrer Analyse zur Überzeugung, dass der Muslim, "die Arbeit für uns macht" und zeigt sich überrascht, "dass Moazzam nach vier Jahren Gefangenschaft und angeblicher Folter der Regierung von Luxemburg dieselbe Botschaft übermittelt wie wir: Bitte stimmen Sie zu, dass sich Gtmo-(Guantánamo)-Häftlinge bei Ihnen niederlassen können". Auch über die von der Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International organisierte Filmvorführung wird berichtet. Die Botschafterin hatte eigens einen Berichterstatter ins Kino geschickt. Mittlerweile hat sich Stroum in einem zweiseitigen Brief, der dem TV vorliegt, geäußert. Es sei ihr nicht möglich, "die Echtheit auch nur eines einzigen Dokuments zu garantieren", heißt es darin. Aber: "Unsere Diplomaten müssen ehrliche Gespräche führen und davon ausgehen können, dass diese auch vertraulich behandelt werden."