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Ungelöste Verbrechen in der Region Trier: Der mysteriöse Mord im Eros-Center

Ungelöste Verbrechen in der Region Trier : Der mysteriöse Mord im Eros-Center

Vor 23 Jahren wurde in Trier eine junge Prostituierte getötet. Es gibt ein Geständnis, aber keine Anklage.

Vor sieben Jahren keimt bei den Trierer Mordermittlern plötzlich die Hoffnung auf, einen lange zurückliegenden Mord endlich aufklären zu können. Ein angetrunkener 35-jähriger Eifeler erzählt in einer saarländischen Gaststätte, dass er 16 Jahre zuvor in Trier eine Prostituierte getötet habe. Die Selbstbezichtigung macht hellhörig, weil der Mann bereits 13 Jahre hinter Gittern saß - wegen Tötung einer Prostituierten.

Im August 1997 hatte der gelernte Metallbauer im Eifelort Speicher im Suff eine 42-jährige Frau erwürgt, die er kurz zuvor in einer Gaststätte kennengelernt hatte. Lag es da nicht nahe, dass er auch für den Mord an Maria Goncalves verantwortlich sein konnte, wie er selbst behauptete?

Die 25-jährige Prostituierte wird am 2. Oktober 1994 um kurz nach 7 Uhr tot in ihrem Zimmer im Trierer Eros-Center aufgefunden. Eine Kollegin, die nach Guida - wie sich Maria Goncalves nennt - schaut, macht die schreckliche Entdeckung. Kopf- und Halsbereich der jungen Portugiesin sind mit Verletzungen übersät. Wie die Obduktion später ergibt, wurde die 25-Jährige vor ihrem Tod erheblich misshandelt und mit einem Kabel stranguliert. "Der Tod ist letztlich durch das Zerschneiden wichtiger Blutgefäße im Halsbereich eingetreten", sagt nach der Obduktion Polizeisprecher Hugo Wust.

Maria Goncalves lebt damals seit zweieinhalb Jahren in Trier, teilt sich die Wohnung mit einer Freundin. Die junge Frau aus der Provinz Matosinhos nahe Porto hat sich von ihrem Mann getrennt, mit dem sie in Portugal einen siebenjährigen Sohn hat. Regelmäßig fährt Guida dorthin und überweist Geld nach Hause.

Schon einen Tag nach dem Gewaltverbrechen präsentiert die Polizei einen Verdächtigen. Es ist ein 32-jähriger Mann aus dem Kreis Bitburg-Prüm. Der Mann kommt in Untersuchungshaft, obwohl er die Tat bestreitet. Er war angeblich mit einem Taxi in Trier und der Gegend um das Eros-Center unterwegs. Ein paar Tage später heißt es, dass der Eifeler aus der Haft entlassen worden sei, weil sich der Verdacht zerschlagen habe.

Wieder ein paar Tage später sucht die Sonderkommission mit einem Phantombild nach einem unbekannten Mann, der am Morgen der Tat "im Bereich des Eros-Centers" beobachtet worden sein soll. Die Beschreibung des Gesuchten ist eher vage: sportliche Figur, 35 bis 40 Jahre alt, etwa 1,95 Meter groß. Nach Zeugenaussagen trug er einen Jeans-Anzug und hielt einen dunklen Motorradhelm in der linken Hand.

Ein großer, unbekannter Mann soll etwa eineinhalb Stunden vor dem Gewaltverbrechen an Maria Goncalves ebenfalls im Eros-Center eine andere Prostituierte attackiert haben. "Er fühlte sich von ihr nicht gut bedient, wollte die von ihm bezahlten 100 Mark zurück", sagt Kriminalkommissar Sven Wolter (27), der sich in der Trierer Mordkommission um den Altfall kümmert. Weil die dunkelhäutige Prostituierte das Geld zunächst nicht zurückgeben wollte, schlug der enttäuschte Kunde zu. Auch eine andere Kollegin, die zum Schlichten hinzukam, wurde von dem Unbekannten, der sein Geld schließlich zurückbekam, geschlagen und gewürgt.

Gibt es zwischen diesem Vorfall und dem späteren Gewaltverbrechen an Maria Goncalves einen Zusammenhang? Auch in ihrem Zimmer will eine Kollegin kurz vor der Tat einen großen Mann mit Helm gesehen haben. War es der Mann, der sich vorher schon eine handfeste Auseinandersetzung mit den beiden Kolleginnen der Getöteten geliefert hat?
Ermittler stellten später fest, dass der 25-jährigen Guida kein Geld gestohlen wurde. "Wenn es kein Raubmord war, was war dann das Motiv?", fragt Christian Soulier, der Chef der Trierer Mordkommission. War da womöglich ein Freier mit dem Gebotenen nicht zufrieden?

Eine Antwort auf diese Frage kann nur der Täter geben. Zwar gab es in der Vergangenheit laut Soulier mehrere Verdächtige und auch die ein oder andere Festnahme. Doch letztlich hat sich kein Verdacht erhärten lassen. Auch nicht der gegen den inzwischen 42-jährigen Eifeler, der vor sieben Jahren in einer Kneipe erklärte, er habe "die Nutte in Trier auch umgebracht".

Es gebe zwar Indizien, die für die Täterschaft des Mannes sprächen, sagte seinerzeit Oberstaatsanwalt Ingo Hromada, aber auch jede Menge, die dagegen sprächen. So stimmte etwa der genetische Fingerabdruck des Mannes nicht mit den am Tatort sichergestellten DNA-Spuren überein. Und von den damals in den Fall involvierten Prostituierten hat - wenn auch 16 Jahre später - niemand den Mann wiedererkannt.

Weil der Eifeler von Gutachtern als psychisch schwer gestört eingestuft wurde, ist er nach Angaben der Polizei auch heute noch in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht.

Maria Goncalves Leichnam wurde nach der Tat in ihren Heimatort in der Provinz Matosinhos nahe Porto überführt und dort beigesetzt.BELOHNUNG FÜR HINWEISGEBER

(sey) Für Hinweise zum Gewaltverbrechen an Maria Goncalves hat die Trierer Kriminalpolizei ein Telefon (0651/9779-2480) geschaltet. Vertrauliche Hinweise können auch unter Telefon 0152-28854968 und per E-Mail unter kdtrier.hinweisaufnahme@polizei.rlp.de gegeben werden. Führen sie zur Aufklärung des Verbrechens, gibt es eine Belohnung von 2500 Euro. Die Ermittler interessieren sich unter anderem für Hinweise zu dem Phantombild des mutmaßlichen Täters. Der gesuchte Mann soll auffällig groß sein - zwischen 1,95 und zwei Metern. Nach den Zeugenaussagen hatte er seinerzeit ein schmales Gesicht, kurze, braune Haare und trug dunkle Kleidung. Weil der Gesuchte einen Motorradhelm trug, gehen die Ermittler davon aus, dass er mit einem Motorrad, Moped oder Roller unterwegs war.LINK: DOSSIER UND VIDEOS

(sey) Der Mord an Maria Goncalves ist bereits der vierte Fall in der Volksfreund-Serie über ungelöste Verbrechen in der Region Trier. Im ersten Teil berichteten wir über den Mord an der Kölner Prostituierten Simone Dewenter, im zweiten Teil über den Mord an der Morbacher Arbeiterin Anna Wilbert und im dritten Teil über den Mord an dem 19-jährigen Gerolsteiner Ulrich Oehms. Auch im fünften Teil geht es um ein noch ungeklärtes Gewaltverbrechen. Alle Folgen, Videos und weitere Informationen sind unter www.volksfreund.de/morde abrufbar.