Der neue Aachener Bischof Helmut Dieser: Versierter Theologe und Karnevalist mit Leib und Seele

Der neue Aachener Bischof Helmut Dieser: Versierter Theologe und Karnevalist mit Leib und Seele

Neun Monate nach der Emeritierung des Aachener Bischofs Heinrich Mussinghoff (75) steht fest, wer sein Nachfolger wird: der Trie rer Weihbischof Helmut Dieser. Der 54-Jährige kann reden, predigen und als begeisterter Karnevalist auch mal über sich selbst lachen.

Möglich, dass sich Helmut Dieser bei der Vorbereitung auf die gestrige Pressekonferenz an seine fünfeinhalb Jahre zurückliegende Premiere erinnerte. Damals stand er ebenfalls an der Seite des Trierer Bischofs Stephan Ackermann im sogenannten Bischofshof, war gerade erst vom Papst zum neuen Weihbischof ernannt worden, da sprudelte es auch schon aus Dieser heraus, als gelte es, einen Rhetorikwettbewerb zu gewinnen. Erst nach einer Viertelstunde, Ackermann schaute schon etwas irritiert, stoppte seinerzeit Diesers Redefluss.

Am Freitagmittag bei der Bekanntgabe von Diesers Beförderung zum neuen Bischof von Aachen ist das anders. Der 54-Jährige hat das, was er nach der kurzen Einführung durch den Trie rer Bischof sagen will, aufgeschrieben, wohl um nicht abzuschweifen oder sein Statement unnötig in die Länge zu ziehen.

Dabei ist Helmut Dieser niemand, der in einem solchen Fall dummes Zeug reden würde. Im Gegenteil. "Er ist ein ausgezeichneter Redner und ein noch besserer Prediger", sagen Leute, die den promovierten Theologen gut kennen.Leviten in Reimform

Wohl mit ein Grund, warum der gebürtige Neuwieder auch lange Zeit als Predigtausbilder in Trier und Lantershofen eingesetzt war. Neben seiner Lehrtätigkeit war Dieser aber auch immer wieder als Priester in den Pfarreien des Bistums eingesetzt, vor seiner Ernennung zum Weihbischof allein sieben Jahre lang in der Pfarreiengemeinschaft Adenau. Das dortige Dekanat Ahr-Eifel grenzt ans Bistum Aachen; Helmut Dieser kommt somit - voraussichtlich Anfang November - in eine Region, die ihm durchaus bekannt und vertraut ist. Ein für den 54-Jährigen nicht ganz unwichtiger Punkt, wie er am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung sagt: "Es ist ja die Lebensart und Mentalität, die schon ein Stück weit prägt. Da habe ich mit Aachen nicht das Gefühl, in die Fremde zu gehen."

Man mag es Helmut Dieser auf den ersten Blick nicht ansehen. Aber der versierte Theologe ist auch ein begeisterter Karnevalist - und zwar durch und durch. In Adenau, seiner letzten Stelle als Priester, ging die Liebe zum Karneval sogar so weit, dass das Mitglied der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Adenau seinen Gottesdienstbesuchern an Fastnacht auch schon mal die Leviten in Reimform las. Womöglich lässt sich die Schelte dann auch besser ertragen.

Und Dieser muss auch nicht lange überlegen, wenn er nach Parallelen zwischen seinem Herkunftsort Heimbach-Weis, einem Stadtteil von Neuwied, und seiner neuen Heimat Aachen gefragt wird. "Von dort kommen die ältesten Karnevalsgesellschaften im Rheinland", sagt der 54-Jährige und hofft, dass es in der närrischen Zeit nicht zu Terminkollisionen kommen möge.

Theologisch wird der designierte Aachener Bischof eher den konservativen Klerikern in der katholischen Kirche zugeordnet. Aber er sei auch "kein Rechtsaußen", heißt es, und darüber hinaus auch in der Lage, seine Meinung zu revidieren. Das erwartet Dieser aber auch von anderen.Mainz sucht noch einen Bischof

Gläubige dürften nicht bei dem Standpunkt stehenbleiben, dass kirchliches Leben "in meinem Dorf stattfinden" müsse, sagt er.

Andere, neue Formen der Versammlung und der Vernetzung seien notwendig, fügt Dieser hinzu und verweist auf die erst vor wenigen Monaten zu Ende gegangene Synode zur Bistumsreform, die ihn tief geprägt habe. "Was ich bei der Synode zusammen mit den Synodalen erlebt und gelernt habe, das darf ich nun auch mitnehmen nach Aachen", kündigt Dieser am Freitagmittag in seiner kurzen Rede schon einmal an. Am nächsten Mittwoch will der 54-Jährige zum ersten Mal nach der Ernennung in seine neue Diözese reisen.

Triers Bischof Stephan Ackermann, der seinen Freund und Studienkollegen vor fünf Jahren zum Weihbischof gemacht hat und wohl auch an Diesers neuerlicher Beförderung nicht ganz unbeteiligt gewesen sein dürfte, schaut derweil etwas gedankenversunken drein. Damit, dass er innerhalb kurzer Zeit gleich zwei hochrangige Mitarbeiter an Nachbarbistümer verlieren würde, habe er nun wirklich nicht gerechnet, sagt er den anwesenden Journalisten.

Da mag ihn die Bemerkung von Robert Brahm etwas getröstet haben. "Ich bleibe hier", verspricht der mit 60 Jahren dienstälteste Trierer Weihbischof. Dabei sucht noch ein weiteres Trierer Nachbarbistum derzeit einen neuen Oberhirten: Seit der vier Monate zurückliegenden Emeritierung Karl Kardinal Lehmanns ist als letzter deutscher Bischofsstuhl der Mainzer unbesetzt.Extra

Die Wahl Helmut Diesers durch das Aachener Domkapitel ging extrem schnell. Erst vorige Woche Montag hatte der apostolische Nuntius, Vertreter des Papstes in Deutschland, dem Aachener Domkapitel die Nachricht übermittelt, dass die Liste mit den drei vom Papst vorgeschlagenen Kandidaten eingetroffen sei. Dompropst Manfred von Holtum setzte sich kurzerhand in den Nachtzug nach Berlin, um die Liste zu holen. Am Freitagabend wählte das Domkapitel den Trierer Weihbischof zum neuen Aachener Bischof. Von Holtum, so berichtete er gestern, rief noch am Abend der Wahl in Trier an. Er bat Dieser um einen schnellen Termin. Als dieser fragte, worum es denn ginge, antwortete von Holtum in bekannt spitzbübischer Manier: "Das kann ich Ihnen nicht sagen. Das hat der Nuntius mir ausdrücklich untersagt." So konnte Dieser sich auf die Frage, die von Holtum ihm am nächsten Tag in Trier stellte, vorbereiten. "Das Jawort haben wir dann sofort von ihm bekommen", sagte von Holtum.

Claudia Schweda, Aachener ZeitungMehr zum Thema

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