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Der optisch nervöse Herr Licht

Der optisch nervöse Herr Licht

Turbulenzen im Hohen Haus: Der Streit um den Aufmarsch von Demonstranten im Mainzer Abgeordnetenhaus und eine verschwundene DDR-Schreibmaschine hat im Landtag die Gemüter erhitzt. So etwas habe er in 20 Jahren noch nicht erlebt, zürnte der Liberale Hans-Artur Bauckhage nach der bemerkenswerten Debatte.

Landtagspräsident Joachim Mertes fühlte sich in deren Verlauf sogar bemüßigt, dem CDU-Abgeordneten Matthias Lammert das Wort abzuschneiden. Er ließ mit der Begründung, Lammert habe die Redezeit überschritten, das Mikrofon abstellen. Im Kern ging es darum, dass sich Sozialdemokrat Carsten Pörksen vergaloppiert hatte, als er ein Flugblatt von Schülern oder Studenten mit einer Anspielung auf den ermordeten früheren Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer als humorvoll bezeichnet hatte. Pörksen korrigierte sich zerknirscht, sprach von einer Geschmacklosigkeit und entschuldigte sich. Damit war auch die Rücktrittsforderung der CDU vom Tisch. Später diskutierten die Protagonisten eifrig im Landtags-Foyer weiter und beruhigten sich. Dass es auch anders geht und Meinungsverschiedenheiten nicht gleich in Tiraden ausarten müssen, bewies Wirtschaftsminister Hendrik Hering mit dem ihm eigenen Humor. In der ebenso emotionalen Diskussion um den Nürburgring stieg Hering in die "Bütt" und zeigte langatmig die Vorteile des Millionenprojekts auf. Das dauerte CDU-Mann Alexander Licht zu lange, weshalb er Hering aufforderte, zur Sache zu kommen und die umstrittene Finanzierung anzusprechen. Herings trockener Konter: "Werden Sie doch nicht nervös, Herr Licht!" Der Moselaner verwahrte sich zornig gegen diesen Spruch. Er sei nicht nervös. Und fing sich gleich den nächsten vom süffisant grinsenden Minister ein: "Sie sehen aber optisch nervös aus." Für Nervositäten ist zumindest in den kommenden Monaten im Landtag kein Platz. Das Plenum tagt nach seiner dreitägigen Mammutsitzung erst Anfang September wieder. Vielleicht finden die Abgeordneten derweil Zeit, sich im neuen Spielcasino am Nürburgring zu vergnügen. Oder sollte man dort Ring-Botschafter Boris Becker begegnen, der für sein Engagement eine "niedrige sechsstellige Summe" kassiert"?