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"Der Ring lebt und hat eine Zukunft"

"Der Ring lebt und hat eine Zukunft"

Der Trierer Jurist Professor Dr. Thomas B. Schmidt ist einer der Hauptakteure am Ring, seit die legendäre Eifelrennstrecke im vergangenen Jahr in die Insolvenz geschlittert ist. Mit dem Sanierungsgeschäftsführer sprach Volksfreund-Redakteur Rolf Seydewitz.

Wie kam es zu der offenbar raschen Einigung mit Formel-1-Chef Ecclestone?

Schmidt: Die ehemaligen Pächter Lindner und Richter haben über ein halbes Jahr mit Bernie Ecclestone verhandelt und konnten sich mit ihm nicht einigen. Wir hatten ja angekündigt, bei einem Scheitern nicht die Hände in den Schoß zu legen. Wir sind dann sehr schnell mit Ecclestone handelseinig geworden.

Ein Vorwurf lautet ja, dass Sie parallel zu Lindner/Richter mit Ecclestone verhandelt haben sollen …
Schmidt: Nein, das war nicht der Fall. Wir haben abgewartet und ihnen den Vortritt gelassen, obwohl wir rechtlich dazu nicht verpflichtet gewesen wären. Nachdem es bis in den Januar hinein aber kein Ergebnis gab, haben wir ihnen eine Frist gesetzt, um uns mitzuteilen, wie der Stand der Dinge ist. Das Ergebnis ist ja bekannt: Es gab eine Absage Ecclestones, ein Vertrag kam nicht zustande. Dann haben wir die Gespräche geführt. Wir hatten im Vorfeld lediglich einen Vorstellungsbesuch in London. Aber es gab definitiv keine Parallelverhandlungen.

Warum hatten Sie Erfolg und das Duo Lindner/Richter nicht?
Schmidt: Diese Frage kann Ihnen nur Herr Ecclestone beantworten. Da spielt wohl eine Vielzahl von Elementen eine Rolle. Ich weiß es schlicht und einfach nicht, kenne auch nur das, was veröffentlicht worden ist. Da war ja die Rede von einem Absageschreiben Ecclestones an Lindner/Richter, in dem stand, dass es wirtschaftlich für ihn nicht attraktiv war. Ich vermute, dass dies nicht der einzige Grund war.

Welche finanziellen Zugeständnisse haben Sie Ecclestone denn gemacht?
Schmidt: Zum Inhalt des Vertrags kann ich mich nicht äußern. Wir haben mit Ecclestone Vertraulichkeit vereinbart, und das respektiere ich natürlich.

Aber es ist Geld geflossen?
Schmidt: Es ist kein Geld von unserer Seite geflossen, wir haben den Vertrag ja auch gerade erst unterschrieben. Zu den Rahmenbedingungen kann ich Ihnen nichts sagen.

Wer wird das Rennen am Ring ausrichten?
Schmidt: Unsere Tochtergesellschaft Nürburgring GmbH (NBG). Sie ist nicht in der Insolvenz, kümmert sich um das operative Geschäft am Ring.

Mit einem Automobilclub als Partner?
Schmidt: Das steht noch nicht fest. Auch nicht, ob das Rennen als Großer Preis von Deutschland läuft oder als Großer Preis von Europa. Da müssen wir auch die Gespräche mal abwarten.

Wie bewerten Sie den Vertragsabschluss und die Tatsache, dass es im Juli ein Rennen auf dem Ring geben wird?
Schmidt: Ich bin superfroh, dass wir es geschafft haben, die Formel 1 an den Ring zu bringen. Damit wird für alle Welt deutlich: Der Ring lebt - trotz der Insolvenz. Und er hat eine Zukunft. Dazu passt, dass diese Woche auch "Rock am Ring" ausverkauftes Haus gemeldet hat.

Wie hat die Landesregierung auf die Nachricht reagiert?
Schmidt: Als Sanierungsgeschäftsführer einer Landesgesellschaft stehe ich natürlich regelmäßig in Kontakt mit der Landesregierung. Da gibt es ja auch Informationspflichten. Unter Berücksichtigung der insolvenzrechtlichen Rahmenbedingungen komme ich denen auch nach. Und natürlich habe ich im Vorfeld die Regierung informiert, damit sie diese gute und wichtige Nachricht nicht aus der Presse erfährt. sey

Extra

Noch nicht geklärt ist, ob das Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring als Großer Preis von Deutschland oder als Großer Preis von Europa firmieren wird. Bleibt der Automobilclub von Deutschland (AvD) sportlicher Ausrichter, wird das Rennen "Großer Preis von Deutschland" heißen. Sollte allerdings der ADAC den Zuschlag erhalten, würde das Nürburgring-Rennen den Titel des gestrichenen Valencia-Rennens als "Großer Preis von Europa" erhalten. Dabei spielen auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Vertreter beider Verbände besprachen sich am Donnerstag mit den Verantwortlichen am Nürburgring.
Fans aus der Region werden sich nur noch wenige Tage gedulden müssen, bis sie die Karten für das Juli-Rennen erwerben können. "Wir werden unter Hochdruck alle Kräfte bündeln und Maßnahmen ergreifen, um die Formel 1 am Nürburgring zum Erfolg zu führen", sagte ein Sprecher der Nürburgring Betriebsgesellschaft. Ab Beginn der kommenden Woche sollen Tickets aller Kategorien im freien Verkauf erworben werden können. Nähere Infos dazu soll es dann auch geben unter: www.nuerburgring.de jüb
Auch der Weltmeister fiebert mit